Shop-A-Man im Praxistest

Anlässlich eines TV-Beitrags, für den ich als Expertin Kommentare abgeben sollte, habe ich eine relativ neue Singlebörse getestet: „Shop A Man“ (shopaman.de). Den Ansatz des Portals finde ich eigentlich ganz witzig: Das ohnehin ja konsumistische User-Verhalten der meisten Singlebörsen wird karikiert und überzeichnet (sehr viele Nutzer verhalten sich ja, als ob sie im Supermarkt sind und die ausgestellte „Ware“ anhand der hübschen Optik und bestenfalls noch nach dem Namen und Verpackungstext aussuchen – und dementsprechend wird sie auch beim kleinsten Makel wieder ins Regal zurückgestellt oder weggeworfen).
Bei „Shop-A-Man“ sind die Frauen die Käuferinnen und die Männer die Ware, die zuerst begutachtet wird, dann eventuell auf der Einkaufsliste landet, günstigenfalls im Einkaufswagen – und bestenfalls (wenn frau einen Kerl kontaktiert hat und er antwortet) zum „Spontankauf“ verleitet.
Die meisten Männer sind „sofort verfügbar“, ich werde auch Sachen gefragt wie „Passt xy zu deiner Handtasche“ oder aufgefordert: „Check jetzt seine Produktdetails und entscheide, ob er ein Must-Have ist oder nur ein Ladenhüter“.

Das Portal ist eh nur mit Humor zu nehmen, und auf den ersten Blick ist das Ganze noch einigermaßen lustig, aber nach kurzer Zeit nervt dieser überspitzte Shopping-Dreh. Jedenfalls mich.
Und was mich noch viel mehr nervt, ist, dass der Server des Betreibers offenbar nicht genug Kapazitäten hat: Das Laden der Seiten dauert so lange, wie man das noch zu Zeiten erleben musste, als es noch kein DSL gab, und oftmals wird die Seite gar nicht geladen und der Browser hängt sich auf. Grrrr!
Und noch eins nervt: Mein normales Emailfach, was ich zur Anmeldung angeben musste, ist voll mit Mails von Shopaman. Sobald ein Kerl auch nur bei mir zu Besuch war, werde ich benachrichtigt, ebenso wenn einer ein Foto von mir gut findet oder sich eigenmächtig auf meine „Einkaufsliste“ gesetzt hat, usw..
Noch ein Nachteil (zumindest für Frauen mit Niveau und hoher Bildung, die etwas mehr wollen als einen Kerl mit nettem Äußeren): Das Profil bietet zwar Platz für jede Menge Fotos, aber fast keinen Text. Man kann bloß ein „Statement“ abgeben, worin man sich selbst und das gewünschte Zielobjekt beschreibt; die Zeilen sind sehr begrenzt und werden auch von den meisten gar nicht richtig genutzt – das würde ja zu viel Eigenleistung erfordern!
Vorgefertigte Fragen wie z.B. bei Friendscout und Finya, die auf die Persönlichkeit des Profilinhabers, seine Wünsche und Interessen abzielen, gibt es nicht, außer ein paar sehr oberflächliche Kategorien, in denen u.a. Lieblingsfilm, Lieblingslieder, Lieblingsserien und Wohnungsausstattung abgefragt werden. Was interessiert mich das? Solcher Konsumquatsch sagt doch nichts darüber aus, ob ein Mann lieben kann, beziehungsfähig ist und ich mit ihm glücklich werden kann!
Zum Beispiel C., der sich auf meine Einkaufsliste gesetzt hat, hat unter dem Punkt „Entertainment“ zu bieten:
„Richtig großer Fernseher, 3D-Fernseher, Surround Sound, iPhone, Laptop, Tablet, Blue-Ray/DVD-Player, Beamer, Spielekonsole, Car Tuning Entertainment“
Und er ist „Unterwegs mit: Auto, Flugzeug/Helikopter“.
Was mögen das für Frauen sein, die auf solche Aussagen stehen?

Ein Aspekt des Portals, der von den Betreibern als Vorteil gegenüber anderen Wettbewerbern angegeben wird und der von manchen Usern vielleicht tatsächlich als Vorteil gewertet wird, ist: Auf den meisten Singlebörsen müssen eher die Männer aktiv werden und den ersten Schritt tun, wohingegen viele Frauen von unerwünschten Kontaktangeboten zugemüllt werden. Bei „Shop a man“ haben Männer gar keine Möglichkeit, die erste Mail zu senden, sie können sich also entspannt zurücklehnen und abwarten, dass Frauen die Initiative ergreifen.
Ehrlich gesagt: Für mich stellt das keinen Vorteil dar. Ich habe auf dieser Plattform etliche Männer angeschrieben und überhaupt keine Antwort bekommen (nicht mal eine kurze höfliche Absage) oder von manchen auch bloß schnell dahingerotzte Ein- bis Zweizeiler mit einem Duktus wie von der Prinzessin auf dem Thrönchen. Mir ist klar, dass Männer genau dies auf den „normalen“ Singleplattformen von Seiten der Frauen erleben, aber warum sollte ICH mich dem auch aussetzen, wenn ich dort mit Mails überschüttet werde, was ich durchaus angenehmer finde, als Männern mit dürftigen Profilen (wo ich also nicht mal weiß, ob ich den einzelnen wirklich kennen lernen will) Initiativmails schreiben zu müssen und zu 70 % keine Antwort zu kriegen.
Dazu kommt, dass die Auswahl – verglichen mit etablierten Singlebörsen – recht klein ist, zumindest in meinem Wunschsegment, nämlich nicht- oder wenigrauchende Männer von 40 bis 54 (plus Umkreis 50 km). Ich lebe in der größten Großstadt Deutschlands, in Berlin, und während ich zum Beispiel auf Friendscout Tausende Männer zur Auswahl habe, sind es bei Shopaman nur etwa 40. Von diesen 40 sind nur zwei, die mir wirklich gefallen könnten – aber sie haben meine Kontaktmail nicht erwidert. (Des Tests halber habe ich natürlich viel mehr Mails verschickt.)
Möglicherweise ist es auch so, dass auf Shop-a-Man überdurchschnittlich viele Männer sind, die auf normalen Singleportalen erfolglos blieben, weil sie passiv, zögerlich oder zickig sind; die finden den Ansatz der Webseite natürlich prima; der Haken an solchen Männern ist bloß, dass viele davon so passiv und zögerlich oder zickig sind, weil sie sich eigentlich gar nicht so richtig auf eine Frau oder eine Beziehung einlassen wollen und daher gleich zurückschrecken und/oder einen überkritischen Blick haben: huch, die ist ja vielleicht doch zu alt / zu sportlich / zu anspruchsvoll / zu klein / zu blond… und und und.

Immerhin ist die Nutzung für mich kostenlos. Ich denke, ich werde mich trotzdem abmelden, denn ich habe jetzt schon sehr viele Stunden darin investiert, doch herausgekommen ist dabei NULL (außer Genervtsein über den langsamen Server und den sich aufhängenden Browser).

Fazit: Shop-A-Man ist möglicherweise ein passendes Portal für Menschen, die nicht nur eine „etwas andere“ Singlebörse suchen, sondern auch ihren zukünftigen Partner hauptsächlich anhand von Fotos aussuchen und konsumistisch orientiert sind.
© Beatrice Poschenrieder

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.