22 Tage Elitepartner – Praxistest-Zwischenbericht

Seit 22 Tagen bin ich nun also Premiummitglied bei Elitepartner. Allzu viel ist noch nicht passiert – ich denke, das wäre anders, wenn meine Fotos nicht unkenntlich verschleiert wären (eine Vor-Einstellung bei Elite, die unabänderlich ist), denn auf Singleportalen, wo die Fotos offen sichtbar sind, habe ich immer einen Mords Zulauf – manchmal 20 Kontaktmails pro Stunde, wenn ich online bin. Hier hingegen habe ich in den ganzen 3 Wochen grade mal 20 bekommen, davon waren 40 % von eher skurriler Natur (dazu später), weitere 35 % bestanden nur in einem „Gruß“ – das ist eine von Elitepartner vorgefertigte Kurzbotschaft, in der der Sender nur ein paar Kästchen ankreuzen muss und dann auf „Senden“ klickt. Das mag ja für manche schön effektiv sein, da das Erledigen einer Erstkontakt-Anfrage nur drei Sekunden dauert, aber das, was bei mir als Empfängerin ankommt, klingt etwa so:
«Liebe Unbekannte,
ich würde Sie gern kennen lernen, denn ich finde Ihr Profil interessant. 
Sie interessieren sich z.B. für Natur. Ich auch!  
Wir haben ähnliche Motive im Leben: Neugier ist mir auch sehr wichtig. 
Ihr Profil gefällt mir! Gerne würde ich wissen, wer sich dahinter versteckt und Ihr Foto sehen. 
Wir haben eine hohe Anzahl an Matchingpunkten. Ich würde unsere Gemeinsamkeiten gern persönlich herausfinden.»
Uuuh, das motiviert mich nicht zur Kontaktvertiefung! Ich bin auf Elitepartner, um einen sehr gebildeten, intelligenten Mann kennenzulernen. Wenn jemand nicht mal in der Lage ist, zwei an mich persönlich gerichtete Sätze zu schreiben, sondern einen 08/15-Gruß raushaut, dann kriegt er vielleicht auch bloß 08/15-Frauen oder er ist selbst 08/15. Die „Gruß“-Sender werden also sofort gelöscht.
Die restlichen 25 % der Männer, die mich kontaktierten, waren sympatische Männer, aber entweder viel zu weit weg wohnend oder nicht mein Typ. Getroffen habe ich trotzdem einen, allerdings hatte ich ihn selbst angeschrieben. Das Treffen ging einen halben Tag lang und war ausgesprochen nett, jedoch verliebt hat sich, denke ich, keiner von uns beiden.

Ein „Sextourist“ war übrigens auch schon unter den wenigen Mails, die ich erhielt: Ein pickliger Kerl von grade mal 27 Jahren aus Süddeutschland schickte einen vorgefertigten Text, der sich erst mal einzuschleimen versuchte durch „Vertrauen, Ehrlichkeit, Offenheit und Verlässlichkeit sind dir wichtig? Mir auch!“, aber dann ausführlich darlegte, welche Form von heißer Liaison sich der Schreiberling vorstellte. (Was ich mit „Sextourist“ meine, beschreiben meine Blogs „Sextourismus in Singlebörsen“ Teil 1 und Teil 2.)

Die oben erwähnten „Skurrilen“ schicken ebenfalls meist vorgefertigte Mails, manche nur kurze, wie der hier: «Hi Unbekannte, ich hab´s eigentlich nicht nötig, Frauen anzuschreiben, weil ich einen extrem hohen Marktwert habe, aber hier passiert ja sonst nichts und ich will das ganze Geld für die Mitgliedschaft nicht umsonst ausgegeben haben. Vielleicht springen ja wenigstens ein paar interessante Bekanntschaften dabei heraus. Auch Affären bin ich nicht abgeneigt, wenn Optik und Chemie stimmen. Am besten du gibst mir deine Telefonnummer, dann reden wir erst mal.»
Jedoch die Mehrzahl schickt halbe Romane! Ich schätze, sie denken, das erhöhe ihre Chancen bei Frauen (was zum Teil sicherlich stimmt, wenn eine Frau nicht durchblickt, dass das eine Massenmail ist). Skurril sind sie teils, weil sie sich verbiegen, um trotz des langen Textes so viele Frauen wie möglich anzusprechen, und teils, weil sie von Männern kommen, in deren Charakter sich Selbstüberschätzung mit Geschwätzigkeit vereint (Beispiele dazu in den nächsten Tagen).

Die Zwangs-Verschleierung der Fotos finde ich schon von daher nicht so gut, weil sie das Stöbern sehr erschwert. Ich bekomme von Elite zwar alle zwei Tage eine Liste mit Partnervorschlägen oder „Interessenten“ (Profilbesuchern), aber ich muss mich ja durch die ganzen Texte und Selbstangaben durchackern, um auch nur annähernd zu wissen, ob jemand mir gefallen könnte. Nachdem ich schon sehr viele Stunden damit verbrachte, hat mich jetzt die Lust verlassen. Tut mir leid, ich muss schon beruflich viel zu viel am Rechner sitzen – das brauche ich doch in meiner Freizeit nicht auch noch!
Was mir zudem auffällt, ist: Hier sind unheimlich viele „getrennt lebende“ Männer. Frage mich, ob das unverbindliche Abenteurer sind (siehe Buchtipp unten!). Denn hier kann man ja hervorragend im Untergrund wühlen, die Fotos sind alle anonymisiert, also wenig Gefahr, dass einen die Freundinnen der eigenen Ehefrau entdecken.

Zur Ehrenrettung von Elite möchte ich anmerken: Es gibt tatsächlich eine erstaunlich hohe Quote an Männern in „höher stehenden“ Berufen und/oder in gesetztem Alter. Auch der Ton ist sehr höflich. Kein einziger hat mich bisher blöd angemacht oder angegriffen. Das ist angenehm. Ich bleibe erst mal.
Fortsetzung folgt!
© Beatrice Poschenrieder
„Mr.

 

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