Ein halbes Jahr Elitepartner: Fazit

Meine halbjährige Mitgliedschaft endete vor ein paar Wochen. Die Gesamt-Bilanz ist mager: Insgesamt nur ca. 20 Männer, mit denen ich in einen Mailaustausch ging oder sie mit mir (dazu zählen nicht die Kontaktanfragen, die ich gleich abhakte), und von diesen 22 waren nur 4, die mich näher interessierten.
Einer davon disqualifizierte sich selbst, indem er schon in der 3. Mail ausführlich darlegte, wie wichtig Sex für ihn sei und dass er TÄGLICH welchen brauche. Einer verriet mir am Telefon, dass er eigentlich gar nicht in diese Elite-Börse passe, weil er Waldpfleger sei, auch mitten im Wald wohne und selten unter Menschen ginge, und wenn, dann eigentlich nur, um seine drei Kinder zu sehen (die, wenn ich mich recht entsinne, von zwei verschiedenen Frauen stammen), und er achte auch wenig auf sein Äußeres, denn das sei als Waldpfleger ja auch nicht nötig, ne.


Mit den anderen beiden hatte ich ein Date. Der eine davon sah beim Live-Treffen deutlich unattraktiver aus als auf seinen Fotos bei Elitepartner (ich erkannte wiedermal: Obacht bei Schwarzweiß-Fotos!) und wirkte sehr ungesund (so wie jemand, der sich katastrophal ernährt, raucht, nicht auf seine Form achtet, zu wenig schläft und praktisch nie an die frische Luft geht) – typisch „Manager“ eben. Der andere, den ich traf, war durchaus attraktiv; er hatte geschrieben, er würde gern richtig schön mit mir essen gehen, ich solle ein Lokal aussuchen – klingt eigentlich schon nach Einladung, oder? (Sicherheitshalber schlug ich eines in mittlerer Preislage vor und bestellte bescheiden.) Jedenfalls als wir dort saßen und aßen, war er redselig und charmant, erwähnte dabei immer wieder, dass er finanziell richtig gut dastehe und seine Tätigkeit (Software-Entwicklung) sehr lukrativ sei; er wohne in einer tollen Villa direkt am Wasser und lasse es sich gut gehen, spiele Golf, habe sich vor einem Jahr endlich mal ein Porsche-Cabrio gegönnt usw.
Dreimal dürft ihr raten, ob er mich einlud.
Dabei war es nicht mal so, dass ich ihm nicht gefiel. Am nächsten Morgen kriegte ich eine SMS voller Komplimente. Aber naja. Ich stehe einfach nicht auf golfspielende porschefahrende Geizkrägen, keine Ahnung, wieso.


Gegen Ende meiner Mitgliedschaft gab ich nochmal ein bisschen Gas und ackerte Männerprofile durch auf der Suche nach jemandem, der zu mir passen könnte. Ein mühsames Unterfangen, denn auf diesem Portal kann man ja niemandes Fotos sehen!!! Das finde ich wirklich einen sehr großen Nachteil an Elitepartner. Ich muss mich jedesmal durch ein komplettes Profil lesen, um den Schimmer einer Ahnung davon zu kriegen, ob jemand mein Typ sein könnte (und ich seiner) oder nicht – etwas, was du anhand von ein paar Bildern ja meist nach wenigen Sekunden ausmachen kannst. Hier hingegen wühle ich mich in stundenlanger Arbeit durch zig Männerprofile, verfasse persönlich adressierte Mails an Unsichtbare und bitte höflich um Freigabe der Bilder, um dann festzustellen, dass die Hälfte meiner netten Mails gar nicht beantwortet werden und von der anderen Hälfte Bilder kommen, die mein Begehr nicht erwecken. Also war die stundenlange Mühe umsonst.

Allerdings sind dies nur meine persönlichen Eindrücke betreffs Elitepartner. Mehrere Leute aus meinem Freundeskreis haben damit gute Erfahrungen gemacht, zwei haben sogar jeweils einen festen Partner gefunden, und zwar richtig toll passende Partner. Von daher lohnt es sich der materielle und zeitliche Einsatz für einige durchaus.
© Beatrice Poschenrieder

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