Singlebörse Erfahrungen / Test: Eignet sich Tinder auch für Männer und Frauen ab 50?

Tinder gilt als Online-Dating-App für junge Leute. Was ist mit Menschen ab / über 50? Hier meine Erfahrungen

Kann man über die Online-Dating-App Tinder eine hübsche Frau kennen lernen?
Kann ich bei Tinder auch jemand kennen lernen, wenn ich doppelt so alt und nur halb so schön bin?

Letzte Woche hatte ich ja schon in meinem Tinder-Test Teil 1 erklärt, wie man als nicht-smartphone-affine Person eine einigermaßen brauchbare Anmeldung auf dieser Online-Dating-App schafft (wobei ich es eher auf dem Rechner nutze als in der Handy-App).

Jetzt geht´s los! Partner finden auf Tinder…

Tja, bevor es bei mir losging, hatte ich mich noch mit einem ganz blöden Problem herumzuschlagen. Tinder funktioniert nur bei Freigabe deines Standortes. Ich hatte das irgendwann mal gesperrt, weil ich es nicht leiden kann, wenn all diese Internet-Kraken ständig wissen, wo ich bin. Und nun wusste ich nicht mehr, wie das rückgängig zu machen ist. Super. Nun klappte also mein Zugang zu dieser bunten neuen Datingwelt nicht, es wurde mir hartnäckig vermeldet: „Ich habe Tinder den Standortzugriff verweigert“, und auf die entsprechende Hilfe in den FAQ´s verwiesen. Natürlich machte ich alles, was da stand, aber es ging einfach nicht, auch nicht über meine Computer-Einstellungen. Bis ich dann irgendwann entdeckte, dass ich in diesen Einstellungen das Schloss-Symbol öffnen muss (ich bin ein hoffnungsloser Computeridiot).
Jedenfalls, kaum dass ich mich dem Zugriff von Tinder nicht mehr verweigerte, wurde mir binnen einer Millisekunde schon der erste Mann angeboten. Richtiges Alter und so ziemlich mein Typ. Huch, was soll ich jetzt machen? Ich dachte, ist das jetzt alles, nur ein einziges Foto, sein Vorname, Alter und fünf Buttons mit seinen Interessen? und klickte hektisch auf den paar wenigen Symbolen herum, die man da betätigen kann. Bei zweien der Symbole kriegt man gleich eine Zahlungsauffoderung „Hol dir Tinder Plus!“, „Hol dir mehr Boosts“ („Boosts“? Häh? Vielleicht versteht man das, wenn man in dem Alter ist, wo man auch dauernd „nice“ und „strange“ sagt). Von dem Typ, den sie mir da als erstes angeboten haben, muss es doch ein bisschen mehr Text geben! Diese fünf Worte, „Wein, Sushi, Sport, Kochen, Musik“, das kann doch bitte nicht alles sein. Ich klickte auf das „X“. Ganz tolle Idee. Dieser attraktive Mann in meinem Alter verschwand für immer im Orbit.
Denn das X bei der Desktop-(Rechner-)Version ist das gleiche wie das Wischen nach links: Kandidat/in abgelehnt, weg damit, und zwar endgültig.
Das selbe passierte mir übrigens, als ich etwas später dann doch die App aufs Handy lud und ausprobierte. Anmeldung geht problemlos über die Eingabe der Telefonnummer und eines Codes, den die einem dann simsen, und schwupps, schon wird mir der erste Kerl angeboten. Wieder ein echt Netter. Ich will mehr Fotos von ihm sehen und bewege den Finger nach links, so wie ich das ja auch mache, wenn ich auf dem Smartphone in meinem Fotoalbum stöbere, aber bei Tinder kriegst du dann nicht mehr Fotos vom selben Mann zu sehen, sondern das vom nächsten, und der davor ist gelöscht und unerreichbar. Tä, da muss man sich als Analog-Gruftie erst mal dran gewöhnen.
Daher schrieb ich ja in Teil 1:
„GANZ WICHTIG: Vor dem Start mit Tinder eine Anleitung dazu lesen!“
Also: Wenn du mehr über einen Kandidaten wissen, also sein ganzes Profil sichten willst, musst du sowohl bei der Handy- als auch der Rechner-Version den weißen Pfeil auf rotem Grund am rechten unteren Rand vom Profilfoto desjenigen anklicken. Dann kannst du auf der Handy-App auch seine anderen Fotos sehen, durch das ganz normale Wischen. Auf der Desktop-Version gehst du mit dem Curser auf das Foto; wenn es noch mehr Bilder gibt, erscheint dann ein weißer Pfeil am linken oder rechten Rand, klick einfach drauf und schau dir den Rest an.

Ein „Match“ bei Tinder bedeutet keineswegs, dass jemand dich total toll findet oder dich „will“

Es bedeutet einfach nur, dass er oder sie dich nicht gleich wegschmeißt, sondern dich als Option offen hält.
Diese Sache finde ich an Tinder ziemlich doof: Du kannst nur entweder, wie oben beschrieben, jemand löschen, oder aber jemand liken (= aufs Herz klicken oder nach rechts wischen). Anders kommst du weder an einen einzelnen noch an neue Profile ran. Das heißt, bei jedem, der dir gezeigt wird, musst du sofort entscheiden: Hopp oder top. Entweder jemand ist für immer weg, oder er könnte im Fall eines Matches denken, dass du ihn rasend toll findest, obwohl du ihn vielleicht nur als „Vielleicht“-Kandidaten betrachtest.
Mann kann ja nur dann einen User anschreiben, wenn man ein Match hat. Hat derjenige dich weggewischt, bist du praktisch chancenlos, es sei denn, du gibst richtig Geld aus für was weiß ich, Tinder Gold-Platin-Mega oder so. Denn nur so kann ich es mir erklären, dass ein paar einzelne Kerle, die ich weggewischt hatte, mir doch wieder angeboten wurden. Aber egal, weiter in meinem Erfahrungsbericht…
Nachdem ich ja kurz nach dem Einrichten meines Profils gleich mal aus Versehen zwei nette Männer gelöscht hatte (einen auf dem Rechner, einen auf dem Handy), loggte ich mich wieder aus und verweigerte Tinder eine Woche lang den Zugriff. Dann wagte ich mich wieder ran. In der Zwischenzeit hatten mir schon über 100 Männer ein Like gegeben (da steht nur „99+“; wenn man die genaue Anzahl wissen will, muss man blechen, also vielleicht sind es sogar 500 oder 1000, wer weiß das schon, der kein Geld für sowas raustun will). Also entweder ich bin, entgegen meiner Selbsteinschätzung, doch noch ein heißer Feger, oder männliche Tinder-Mitglieder geben jeder halbwegs netten Frau erst mal einen Wisch nach rechts.
Ich sichtete Profile; bei manchen kann man es gleich sehen oder sogar lesen, dass sie nur für Sex oder Affären da sind; manche erkenne ich auch gleich als Fake; aber die meisten scheinen echt zu sein, und etliche haben auch explizit in ihrem Text stehen, dass sie nicht bloß auf Sex oder „ONS“ aus sind. In meiner Altersklasse 50 plus gibt es erstaunlich viele sympathische Männer, etliche auch mit interessanten Texten; trotzdem verteilte ich meine Herzchen eher spärlich (seit dem Unfall mit dem Wischen benutze ich nur noch die Symbole, das ist narrensicher), und was soll ich euch sagen, 9 von 10 Männern, die ich like, haben mich vorher schon geliked, also hatte ich im Nu einen Ordner voller Matches. Selbstredend ergeht sofort bei Anzeige eines Matches der Appell, man möge seinem Match-Partner eine Nachricht senden. Ich schreibe nicht, ich warte erst mal ab.
Schon mein zweites Match schreibt mich sofort an: „Hallo Martha*, willst du mich?“
Ich: „Woher soll ich das wissen? Ich kenn dich doch noch gar nicht!“
Aber statt sowas zu schreiben wie „Dann lern mich halt kennen!“, verschwindet er samt seiner Nachricht aus meinem Tinder. (Später lerne ich: Das passiert, wenn man die Funktion „Match auflösen“ betätigt. Leider wird dann nicht nur das Match gelöscht, sondern auch seine und deine ganzen Nachrichten.)
Ich schätze mal, das war einer der Leute, die über Tinder nur Sexkontakte suchen – das „willst du mich“ war vermutlich körperlich gemeint.
Macht nix – drei Sekunden später schreibt mich der nächste an…

* Martha ist mein Pseudonym bei Tinder

Wie´s weiterging, erzähle ich dir in meinem nächsten Tinder-Test-Beitrag!

© Beatrice Poschenrieder

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