Praxistest neu.de – die 2-in-1-Singlebörse (Teil 2)

Wie in Teil 1 dieses Praxistests schon erwähnt, kann man als neu.de-Mitglied automatisch auch lovescout24.de mitnutzen, deshalb hab ich es im Titel „2-in-1-Singlebörse“ genannt. Ob man das als positiv wertet oder nicht, ist Geschmackssache (so wie manche Leute beim Einkaufen oder Fernsehen eine riesige Auswahl lieben, andere wiederum bevorzugen die übersichtliche gezieltere Auswahl).
Also…
Als nicht-zahlende Userin stellte ich bereits fest, dass viele Mitglieder ebenso wie ich Nicht-Zahler waren und daher weder meinen Besuch auf ihrem Profil noch mein gesendetes „Smiley“ sehen konnten.
Sobald ich dann Premium bin, schreibe ich einige an. Die meisten der Nicht-Zahler lesen meine Nachricht nicht mal – ich nehme an, sie sind ähnlich wie die Karteileichen im Fitness-Studio zwar noch irgendwo Mitglied, jedoch gehen nicht mehr rein. Schade, denn die meisten Männer, die mir gefallen würden, zählen wohl zu diesen Scheintoten.
Jedenfalls, die Resonanz auf meine ca. 10 Kontaktmails ist erst mal nicht berauschend. Einer schreibt zurück, er habe eine Partnerin gefunden, aber seine (bezahlte) Mitgliedschaft laufe eben noch. Ein anderer bügelt mich ab, ich sei ihm zu klein, und einem weiteren bin ich zu alt (laut Profilangabe ist er 2 Jahre älter als ich, bei näherer Fotobesichtigung vielleicht sogar 5 Jahre älter). Konstatiere: Es macht mir hier wenig Spaß, jemanden anzuschreiben. So muss es Männern auf kostenlosen Singlebörsen ergehen…
„Nicht berauschend“, das gilt auch für die Erstkontaktmails, die ich von anderen Usern bekomme. Die meisten davon passen für mich nicht – viel zu jung, viel zu alt, wohnen weit weg oder sind nicht mein Typ. Nur einer, der mich anschreibt, macht einen passablen Eindruck; optisch nur so halb mein Typ, aber sympathisch. Ohne groß zu fackeln, gibt er mir seine Nummer, das Telefonat erfolgt zügig und verläuft ganz nett. Wir verabreden uns im Prenzlauter Berg, wo er seinen Laden hat. Live ist er kleiner, dicker und älter als im Profil. Er hat sehr gute Umgangsformen, aber wirkt so steif, als hätte er zum Frühstück jede Menge von diesem Zeug getrunken, womit man Leichen plastifiziert. Tja.

Partnersuche ist mühsam, aber immer alleine sein auch…

Ich verlege mich wieder aufs Versenden von Smiles, mit wenig Erfolg, und aufs Studieren der erhaltenen Kontaktmails und der zugehörigen Männerprofile. Tage vergehen ohne Aussicht auf Dates. Dann schreibt mich einer an, über den ich mich freue: Alter passt, Wohnort passt, Profultext passt, und seine Fotos zeigen einen junggebliebenen Blondschopf, den ich nachgerade süß finde. Supersüß sogar. Daher zicke ich nicht rum, dass er nicht telefonieren mag, sondern sich lieber gleich treffen will. Ok!
Drei Tage später treffen wir uns in einem netten Lokal in Friedrichshain. Ich sehe gleich, dass zwischen seinen Fotos und heute ein paar Jahre und viel Stress liegen, aber das macht nichts, es ist noch genug „süß“ übrig. Er ist auch sehr nett… jedoch folgt nach ein paar Einleitungssätzen eine Druckbetextung, wie ich sie selten erlitten habe: Der Mann redet über zwei Stunden lang ohne Punkt und Komma über seine gestörte Ex und ihr unmögliches Verhalten, ihm gegenüber, den beiden Kindern gegenüber, die übrigens erst jetzt zum Vorschein kommen, 5 und 7 Jahre alt. Seine Ex habe vermutlich das Borderline-Syndrom oder irgend eine andere fürchterliche Störung, die ihm die Beziehung zur Hölle machte und jetzt sein Leben, weil er die Kinder „nur“ 45 % der Zeit hat und ständig im Streit mit ihr darüber ist. Seiner Meinung nach geht sie völlig falsch mit den Kleinen um, das stresst ihn dermaßen, dass er kurz davor ist, in einen Sorgerechtsstreit zu gehen, um mindestens zwei Drittel der Betreuungszeit zu bekommen, weil, „so einer schrecklichen Person kann man doch nicht seine Kinder überlassen!“
Frage mich insgeheim, wieso er ihr dann sogar ZWEI Kinder gemacht hat, aber das behalte ich für mich (die Antwort würde vermutlich weitere zwei Stunden dauern), sondern schütze Bauchweh vor und mache mich vom Acker.

Hier geht´s zur Fortsetzung!

© Beatrice Poschenrieder

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