Ist er ein Alphamännchen? (Teil 1) – Aktualisierte Version

Hier kommt die Geschichte von einem Mann, den ich vor einigen Jahren auf einer Singlebörse kennenlernte und den ich „Alpha“ nannte. Leider war er nur partiell interessant (dazu später), und anfangs fand ich ihn eher „naja“. Sein Profil zeigte bloß ein einziges Foto, ein Portrait mit einem vermutlich attraktiven Mann – vermutlich, denn es war sehr unscharf; und an Infos gab das Profil fast nichts her außer Wohnort, Alter 44 und Universitätsabschluss. Die ganzen wichtigen Felder, z.B. ob er Kinder hat, raucht, wofür er eine Frau sucht usw., hatte er nicht ausgefüllt, geschweige denn ein Statement abgelassen oder Fragen beantwortet. Seine erste Kontaktmail an mich war auch nur partiell nett:
«Ich finde nicht, dass Du zu hohe Ansprüche an Deinen Partner hast. Ich fühle mich in Deinem persönlichen Statement treffend beschrieben. Aber dass Du auf dem einen Foto xxx… das finde ich unpassend.»
Manche Männer machen das bewusst oder unbewusst: Sie sprechen die Frau an mit einer Mischung aus Nettigkeiten und Kritik – damit zeigen sie der Frau: Im Prinzip hast du Chancen bei mir, aber bilde dir ja nicht zu viel ein, denn ich bin von uns beiden der Tollere und kann mir daher herausnehmen, dich anzugreifen / zu korrigieren.

Also wenn du (als Mann) gleich mal klarstellen willst, wo der Hammer hängt und wer der Chef ist, dann mach es wie der Sadist, den ich im Beitrag «Partnerbörsen als Spielplatz für Gestörte und Perverse?» erwähnt habe:
Sag der Frau beim ersten Date, dass ihr Profil wichtigtuerisch wirkt, aber wenig Substanz hat; und dann haust du raus: „Seit wann bist du single?“
Sie antwortet z.B. „seit einem Dreivierteljahr.“
Du: „Und warum will dich seither keiner?“
Während sie frappiert zusammenstammelt, dass dem doch gar nicht so sei, redest du über sie drüber (obwohl du keinerlei Vorkenntnisse über sie hast): „Bist du vielleicht nicht so der Hit im Bett? War das etwa der Grund, warum dich dein Ex abserviert hat? Oder hast du ne kleine Psycho-Meise, wie die meisten Frauen in Singlebörsen?“
In der Regel wird sie so verwirrt sein, dass sie zuerst gar nicht auf die Idee kommt, dass das A-Loch-mäßig ist, sondern sie wird sich verteidigen. Da sagst du dann gönnerhaft: „Du brauchst dich nicht zu rechtfertigen.“
Das wird sie noch mehr bestürzen, aber auch ein wenig wütend machen. Da hakst du dann ein und sagst ihr irgendwas Nettes, was aber auch wieder die Positionen klar macht: Du bist der Große, sie die Kleine. Zum Beispiel: „Du siehst ja richtig süß aus, wenn du wütend / bestürzt / verunsichert bist.“
„DerGibt es Frauen, die da noch dranbleiben? Die traurige Wahrheit ist: ja. Ich gehöre zum Glück nicht dazu. Bisher habe ich noch nie mit einem Mann, der gleich schon zu Anfang stänkert, gute Erfahrungen gemacht. Aber da ich beim Kennenlernen von “Alpha” schon diesen Blog schrieb, blieb ich duldsamer als sonst, und diese neue Bekanntschaft, Alpha, war in seiner Taktik wesentlich subtiler. Vermutlich testete er die Machtverhältnisse und wie weit er gehen konnte. Ich ließ mich davon nicht beeindrucken, sondern parierte:
«Jaja, an meinem Foto herummäkeln, aber selber das magerste, dürftigste Profil haben. Ich erfahre ja gar nix von dir! mach doch mal bitte was rein!»
Daraus entwickelte sich ein kleiner Schlagabtausch mit Verzögerungen, weil er oft erst nach anderthalb Tagen auf meine Mails antwortete. Sein Muster war immer das selbe: Zuerst kam etwas Positives, womit er mich heranzog, dann etwas Bissiges, womit er sich selbst positionierte. Weiterhin gab er (außer seinem interessanten Beruf) fast nichts von sich her, keine Infos, auch keine Telefonnummer, als ich ihn darum bat. Im Gegenteil, rotzfrech sagte er, ich solle ihm meine mailen. Sollte frau da nicht ein bisschen skeptisch werden? Ich erwiderte, dass in Singlebörsen in der Regel der Mann der Frau seine Nummer gibt. Er konterte, er versuche schon die ganze Zeit, mir beizubringen, dass ER nicht die Regel sei. Da wurde es mir zu blöd; ich redete Klartext: «Und ich versuche, dir beizubringen, dass du hier in einer Singlebörse bist und sich hinter deinem dünnen Profil alles Mögliche verbergen kann. Ich kann ja nicht mal erahnen, wo du im Leben stehst, oder deine Figur… auch dein Bild ist irgendwie so eigenartig verfremdet – man weiß nicht, ob es aktuell oder 20 Jahre alt ist.
Du bist eh nicht “die Regel”, sondern du gibst so gut wie nix von dir preis – so als ob du nicht wirklich interessiert an Kennenlernen und Beziehung knüpfen bist. Ich finde mich schon kooperativ genug, dass ich trotzdem mit dir maile und sogar telefonieren will, um zu schauen, ob wir dabei Lust auf ein Treffen kriegen. Also sei so gut und nenne mir wenigstens deine Nummer.»
Endlich verriet er sie. Kein Festnetz, sondern Handy, war ja klar. Es wunderte mich dann auch weder, dass er nicht ranging, als ich es versuchte, noch was ich später bei seinem Rückruf erfuhr:
Alpha hat zwei Kinder, erst 6 und 9 Jahre alt; er ist noch verheiratet, anscheinend erst 2 Monate von der Gattin getrennt – ach herrje. Mit Sicherheit wohnte er noch mit ihr in einer Wohnung, deswegen machte er so ein Geheimnis aus allem, gab seine Nummer nicht her, ging nicht ans Telefon.
Ansonsten lief das Telefonat aber klasse, er hatte eine tolle Stimme und eine tolle Art zu reden, die mich sehr reizte. Ich dachte: Beziehung eher nicht, treffen will ich ihn trotzdem mal.
Und er wollte auch: „Wollen wir uns jetzt gleich treffen?“
Ich verneinte, denn es war schon halbelf abends, ich war hundemüde. Er musste aber morgen abend eh in meinen Kiez, auf eine Feier, und fragte, ob wir uns vorher ein, zwei Stunden sehen wollten. Klar!

Das war an einem Freitag abend. Wie´s weiterging, erfahrt ihr hier…
© Beatrice Poschenrieder

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.