Bin ich in der Warteschleife einer anderen Warteschleife?

Ich hatte euch ja letzten Donnerstag, also vor einer Woche, von meinem neuesten Augenstern berichtet; von dem wundervollen ersten Date am Montag, aber dass er mir erst für Sonntag das nächste Treffen zusagte, obwohl ich wusste, dass er auch vorher reichlich Zeit gehabt hätte.
Wie erwähnt, hatte er mir am Do mittags geschrieben, „bin bis Sonntag komplett ausgebucht und werde heut abend das Wochenende durchplanen, geb dir dann Bescheid“.
Ich rechnete jedoch ein bisschen damit, dass er abends so lange wie möglich abwarten würde, ob sich nicht noch ein Treffen mit einer anderen Frau ergäbe, und mir dann für Sonntag irgendeine Zeitlücke zuschieben würde. Es kam fast noch schlimmer: Er schrieb um 21.07 Uhr: „Gute Nacht!“
Häh? Um 21.07 Uhr??
Blödes Whats App. Blöde Whats-App-Kultur. Statt zu telefonieren, speist man jemand mit einer 2-Wörter-Nachricht ab und denkt, man ist aus dem Schneider. Nicht mit mir!
Mit flinken Fingern schickte ich binnen Sekunden eine Nachricht zurück: „Gute Nacht? Was macht die WE-Planung?“
Und dann endlich endlich mal kriege ich ein Gnadenterminchen: Sonntag 13 Uhr im Mauerpark. Allerdings ohne genauen Treffpunkt und ohne jegliche Info, ob er mir nur eine Stunde oder den Rest des Tages widmen wollte. Ich fragte dann auch nicht nach, denn mein Gefühl sagte mir, dass ich damit das Ganze ins Wanken bringen könnte (was man im Prinzip auch als Zeichen werten könnte, dass das Interesse ungleich verteilt ist, aber was soll´s).

Müsste frau dann eigentlich bis Sonntag die Füße stillhalten und abwarten? (Antwort von mir selbst als Singlecoach: Besser wär´s!)
Ich kann ja manchmal die Fingerchen nicht stillhalten und schrieb ihm anderntags, dass ich mir am Fr und Sa die Mauerfall-Licherkette anschauen würde und er gern ein Stündchen oder zwei mitkommen könne, so er denn Lust hätte.
Obwohl er sehr nett antwortete (Lust ja, aber bereits mit Kollegen verabredet, und wir sähen uns ja am Sonnntag!), fragte mich mich später: War das ein Fehler, und zwar der klitzekleine Fehler, der das Zünglein an der Waage in die falsche Richtung bewegte?
Den ganzen Samstag hörte bzw las ich nichts von ihm, den ganzen Sonntag vormittag auch nicht. Ich ahnte aber bereits Sonntag früh, dass das Date platzen würde. Das Bauchgefühl ruft es untrüglich, obwohl der Kopf immer noch mit Beschwichtigungsformeln daherkommt.
Ich wurde immer wütender, je näher es auf mittags zuging – denn wir waren ja um 13 Uhr verabredet und er hatte mir weder Ort noch Länge des Treffens durchgegeben. Aber meine beste Freundin beschwor mich, mir nicht die Blöße zu geben, ihm hinterherzutelefonieren. Punkt 12 Uhr kam dann die Nachricht von ihm: „Ich hab mir ne Erkältung eingefangen. Werde das Bett hüten. Will morgen wieder gesund sein.“
Aha. Exakt 60 Minuten vor den anvisierten Termin überfällt ihn plötzlich eine Erkältung mit solcher Macht, dass er die seit 6 Tagen getroffene Verabredung absagt, und ich steh da mit dem lonely sunday und alle meine Freunde sind bereits verplant.
Oh was für eine verfluchte Scheiße. Was für ein Arsch. Zum Kotzen.Zum Kotzen
Wie so viele Menschen, mache ich mir dann eine Menge Gedanken, was ich alles falsch gemacht haben könnte. Zu viel geredet, zu viel geschrieben, zu viel vorgeschlagen?

Wie es der Zufall so will, meldete sich nicht mal eine Stunde später ein interessanter Kerl bei mir, mit dem ich im Sommer ein Date gehabt hatte und der danach völlig in der Versenkung verschwunden war, obwohl wir uns ganz gut verstanden hatten und uns wiedersehen wollten. Auch da hatte ich mir einen Kopf gemacht, was an mir oder meinem Verhalten wohl so verkehrt gewesen sein könnte, dass er nicht mal mehr ans Telefon ging; ich war sicher, dass ich ihn mit meinen Widerworten (er und ich hatten über psychologische Dinge diskutiert) in die Flucht geschlagen hatte. Und nun erfuhr ich in einem ganz zauberhaften Treffen, dass es kein bisschen an mir lag, sondern es ihm total peinlich war, so abgetaucht zu sein: zu der Zeit steckte er noch fest in einer nicht abgeschlossenen Liebesgeschichte.
Er half mir dann auch, folgende Fragen ein für alle mal zu klären:
Warum wollen viele Single-Börsianer nicht im voraus planen, wann man sich trifft? Warum sagen sie oft erst einen oder gar einen halben Tag vorher zu? Warum sagen sie ganz kurz vorher ab? Warum sind sie so geizig mit ihrer Zeit und scheinen immer so wahnsinnig beschäftigt zu sein oder sind plötzlich erkältet oder anderweitig gehandicappt?

Ganz einfach: Weil sie parallel daten und es mehrere Frauen gibt, die sie noch spannender finden als mich (der Hauptgrund für das „spannender“ ist, dass sie diejenigen noch nicht getroffen haben). Es gibt auch mindestens eine Favoritin, für die sie sich möglichst viel Zeit (vor allem abends) freihalten wollen, falls diese kurzfristig Zeit hat. Das ist eine, die jünger und hübscher ist als ich. Und da sie so hübsch ist und so ein attraktives Alter hat, hält wiederum sie MEINEN Augenstern in der Warteschleife, sprich, sie gibt ihm keinen konkreten Termin, so etwas wie „wir treffen uns Samstag abend in XY“, sondern sie schreibt wahrscheinlich nur lapidar, „ich hab unter der Woche schon jeden Abend dicht, aber am Wochenende könnte was gehen“.
Also sieht er zu, dass er sich möglichst das ganze WE offen hält – was er dann ja auch tat, der blöde Sack. Er ist in Warteschleife der Hübschen und darum hält er mich in seiner Warteschleife. Da möchte man doch am liebsten alles hinschmeißen, diesen ganzen Singlebörsen-Whats-App-Bockmist. Bin kurz davor. Allerdings gibt es auch einen tröstlichen Gedanken: Wenn er mich ganz öde fände, hätte er konkret abgesagt, statt eine Hinhalte-Ausrede zu gebrauchen. Ich bin noch im Rennen. Die andere Frage ist: Bin ich da scharf drauf? Hm.
© Beatrice Poschenrieder

One thought on “Bin ich in der Warteschleife einer anderen Warteschleife?

  1. Bin grad über diesen Beitrag gestolpert und habe mich darin komplett wiedergefunden. Erschreckend.
    Warteschleife in der Warteschleife.
    Ein mieses Konstrukt. Und nüchtern betrachtet doch so offensichtlich.
    Bei mir ist es genauso. Nach einer anderthalbjährigen Affaire mit Aussagen wie “Du bist mein Traummann” oder “mit keinem anderen will ich alt werden”, hält sie mich plötzlich hin, da sie schauen will, ob es mit ihrem aktuellen Partner noch klappt. Laut ihr gibt es Höhen und Tiefen. Im Moment anscheind wohl eher Höhen, da sie sich immer weniger und distanzierter meldet. ABER sie meldet sich doch immer wieder.
    Gefühlt waren wir schon viel weiter. Sie wollte sich trennen, wir haben wunderschöne Pläne geschmiedet und dann wendete sich alles.
    Die Ausreden kamen. “Ich kann nicht, weil mein Kind…” (5 Minuten vor dem Treffen), “weil ich plötzlich Kopfweh habe”, “weil ich die nächsten zwei Wochen schon so verplant bin”… Für alles hat sie Zeit. Nimmt sich die Zeit. Nur für mich nicht …mehr.
    Das war mal anders. Da wurde sogar nur für einen einzigen kleinen Kuss oder 10 Minuten Treffen alles möglich gemacht.
    Sie hatte anfangs immer gesagt: “Wenn es nicht klappt, dann liegt es nicht am Wollen, sondern am Können.”
    Heute sage ich: “Es liegt nicht am Können, sondern am Wollen.” Und das schmerzt besonders.
    Im richtigen Leben würde man in einer Warteschleife, die zu lange andauert, wohl einfach den Hörer auflegen und denken “Dann halt nicht!”.
    Warum ist das so schwer, wenn man Gefühle für jemanden empfindet? Warum kann man nicht auflegen, obwohl man ganz genau merkt, was für ein Spiel der bzw. in meinem Fall die Andere mit einem spielt. Dass man verletzt wird und sich eigentlich nicht so behandeln lassen will. Schreibt sie auch nur eine kleine, nette Nachricht – am besten noch mit “Drück Dich ganz feste” am Ende – ist der ganze Zorn weg und ich schreibe lieb und freundlich zurück.
    Wofür ich mich manchmal richtig ohrfeigen könnte.
    Schon interessant, dass man freiwillig einen Menschen zu seiner Priorität macht, obwohl man für diesen Menschen lediglich eine Option ist. Oder dem man am Ende gar noch weniger bedeutet.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.