Profil erstellen: Sag an, was du willst (und was nicht)

Ich wurde in Partnerbörsen schon oft angepöbelt, weil in meinem Profil gleich unter/ neben den Fotos stand, was für einen Mann ich suche und was für mich gar nicht geht. Meine Wunsch-Eigenschaften bezogen sich auf Klugheit, innere Reife, Kultiviertheit und Bewegungsfreude, meine No-Go´s sind: Typen, die immer den Chef markieren, Mecker-/Jammer-/Depri-Typen und Alkis.
Trotzdem wurde ich oft zurechtgewiesen, meine Ansprüche seien zu hoch. Früher zuckte ich dann immer zusammen und fragte mich, ob ich diese Aussagen wieder rausnehmen sollte, aber sobald ich das tat, meldeten sich einfach viel zu viele Männer bei mir, die definitiv nicht in Frage kamen.

Ich will nicht irgendeinen, ich will den Richtigen
Wer will denn schon die Katze im Sack?

Als nett aussehende Frau wird man in den meisten Singleforen, wenn man ein allzu liebes und offenes Profil hat, dermaßen von Kontaktangeboten überschüttet, dass es schlichtweg zu viel Zeit kostet, das alles zu selektieren – viele Frauen schauen sich ja die Profile der Männer, die sie kontaktieren, von oben bis unten an – denn sie wollen keine Perlen unter den Säuen übersehen. Also müssen sie schon im Text “vorselektieren”, indem sie Wunsch- und Ausschluss-Kriterien nennen.

Früher hab ich mich auch schon das eine oder andere Mal auf einen Mann eingelassen, auf den nicht alle der o.g. Merkmale zutrafen, und was war? Man merkt bald, es funktioniert einfach nicht.
Punktum: Wenn du ein klares Bild davon hast, welche Dinge dir an deinem zukünftigen Partner unabdingbar wichtig sind – wo du keine Kompromisse machen willst – und welche für dich gar nicht gehen, dann schreib es rein und scher´ dich nicht um die Pöbler! Ich kriege übrigens auch oft netten Zuspruch wie den hier: “Ich glaube nicht, dass deine Ansprüche zu hoch sind. Wir haben doch nur ein Leben, dann sollte der Partner schon der richtige sein.”
Genau.
Skurrile Blüten treibt das aber auch manchmal, wenn man dezidierte Ansagen macht. Vor ein paar Jahren, als frisch gebackener Single, verliebte ich mich in einen Mann, der sich in den ersten zwei Wochen mächtig ins Zeug gelegt hatte und dann, als ich verliebt war, radikal auf die Bremse trat und mich auf Sparflamme setzte, obwohl sein Beruf ihm sehr viel Freiraum ließ: er war die Freizeitversion des Tim-Bendzko-Songs „Nur noch kurz die Welt retten“ (zumindest machte er mich das glauben).
Ich kann es selbst kaum fassen, dass ich nach zwei Monaten die Stunden zusammenzählte, die er mir seit Beginn “gegönnt” hatte, aber es war einfach so wenig: Im Durchschnitt – inklusive der “großzügigen” ersten zwölf Tage – nur 14 Wochenstunden. Ich kriegte pro Woche einen „Tagestermin“, wo wir etwas zusammen unternahmen, z.B. Radtour oder wandern (um etwa 18 Uhr machte er sich vom Acker mit einer Begründung wie „ich muss noch zu meinem Vater, was helfen“), und einen Abendtermin, bei dem wir horizontal aktiv wurden (um 22.30 Uhr sprang er aus dem Bett mit etwas wie „ich muss morgen früh Blut spenden“). Als ich ihn dann fragte, ob das so weiterginge, und keine Antwort kriegte, zog ich die Reißleine.
Jedenfalls schrieb ich danach in mein Profil: „Ich wünsche mir eine richtige Beziehung mit einem Mann, der mir Zeit widmet, nicht wie mein letzter Beziehungsversuch, der mich mit 14 Stunden pro Woche abspeiste“.
Darauf meldete sich ein hübscher Mann: er sei sehr beschäftigt, aber er könne mir 20 Stunden pro Woche anbieten, und die garantiert, und ich könne sie mir auch einteilen, wie ich wolle.
Den Kauz schau ich mir an, dachte ich.
Bei unserem Treffen stellte sich heraus, dass er schon seit über einem Jahr arbeitslos war. Ich fragte ihn, warum er denn so beschäftigt sei? Antwort: „Ich hab die Anliegerwohnung im Haus meiner Mutter und bin seit einem halben Jahr dabei, die Küche umzubauen.“ Ich: „Was macht da denn so viel Arbeit?“ Er: „Der Einbau der Arbeitsplatte. Das ist eine Wissenschaft für sich, das muss gut ausgetüftelt sein.“
Ohne Scherz!
Allerdings bekam ich auch genug ernsthafte Zuschriften von Männern, die mit meinem Wunsch konform gingen. Im Allgemeinen funktioniert es also schon… einigermaßen. Und wie gesagt: Das Gegenteil – dich durch hunderte Ungeeignete wühlen – willst du ja auch nicht.

Fazit: Die meisten Singlebörsen-User schätzen Mitglieder, die klar wissen und ansagen, was sie wollen und was nicht.
© Beatrice Poschenrieder

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