Profil erstellen: Lügen lohnt sich nicht

Wer über Singlebörsen schon so einige Dates hatte, kommt um eine unangenehme Erfahrung nicht drumherum: Dass man sich ab und zu ärgert über Leute, die einen täuschen, indem sie in ihren Profilen falsche Angaben über sich machen und/oder irreführende Fotos einstellen.
Das fängt an mit ganz einfachen und sehr verbreiteten Schummeleien, wie etwa beim Alter. Menschen über, sagen wir mal, 38 neigen dazu, ein paar Jährchen wegzulassen, bei Leuten über 50 sind´s auch mal ein paar mehr Jahre. Die Gründe liegen nicht nur darin, dass man sich selbst für deutlich jünger aussehend erachtet und sich die Chance auf Anwärter offenhalten will, die noch nicht auf die Rente zugaloppieren, sondern auch, dass z.B. Frauen, die etwas ab ca. 45 eingeben, tatsächlich zu oft von Opas kontaktiert werden und zu wenig von Gleichaltrigen.
Von männlichen Usern höre ich zum Teil Ähnliches: Männer über 40 kriegen häufig Kennlern-Angebote von Frauen über 50, die vielleicht grade in ihrem dritten Frühling sind oder wechseljahresbedingte Hormonüberschwemmungen erleiden.


Grade neulich erzählte mir ein Bekannter (45 und von optischer Frische), dass ihn eine Frau angeschrieben habe, Altersangabe 44, auf dem Foto noch sehr attraktiv aussehend; beim Date stellte er aber fest, dass sie wohl ein altes Bild eingestellt hatte und deutlich über 50 war; hartnäckiges Nachhaken ergab, dass die Dame einfach mal locker 14 Jahre abgezogen hatte! Wozu soll das gut sein? Was nützt es ihr, wenn sie dank Falschaussagen ein Date zustande kriegt, aber sich dann der Demütigung aussetzen muss, dass der Mann sich verarscht fühlt und sie samt ihrer Rieslingschorle da im Lokal sitzen lässt?
Beim Schwindeln in Sachen Alter stehen die Männer den Frauen in nichts nach. Ich finde zwar, dass ein Abzug von 1 – 3 Jahren verzeihlich ist bei WIRKLICH jüngerem Äußeren und überdurchschnittlich guter Form. Für mich hört die Nachsicht aber auf, wenn jemand wissentlich heftige Falschangaben macht, wie jener Architekt, den ich mal traf. Im Profil stand „40“ und „athletisch“. Live vor mir stand jemand, der älter wirkte. Ich sagte: „Also 40 bist du nicht mehr, oder?“ – „Ähm, nein… ich bin 50… aber ich fühle mich wie 40.“ Wie schön für ihn. Und athletisch? Sein kleiner Rettungsring um die Hüften war breiter als die Schultern; auch die Arme wiesen keinen muskelgestärkten Umfang auf. Er fand sich aber athletisch, weil: “Ich mache einmal in der Woche Power-Yoga.”
Womit wir schon beim nächsten Thema sind:
„Blender“In Sachen Figur gibt es sowohl auf weiblicher als auch auf männlicher Seite eine große Fehlangaben-Quote: ob unabsichtlich wegen schiefer Selbsteinschätzung, sei dahingestellt. Was da alles unter „schlank“ und „normal“ gezählt wird, oder auch unter „athletisch“! Wie oft habe ich schon Geschichten von Freunden gehört, die eine angeblich „normale“ Frau daten wollten (bezeichnenderweise hatte sie kein einziges Ganzkörper-Foto drin) und dann eine Matrone trafen!
Wobei Frauen in Sachen körperliche Selbsteinschätzung im Durchschnitt kritischer sind als Männer. Ich schätze, fast zwei Drittel der Männer (zumindest die über 40) haben im Profil eine nicht ganz zutreffende Figur-Angabe stehen. Hey Jungs: „athletisch“ passt nicht mit einer Wampe zusammen, ja nicht mal mit einem kleineren Bier- oder Wohlstandsbauch! Und auch wenn heutzutage fast Dreiviertel (!!) der Männer über 40 übergewichtig sind, heißt das noch lange nicht, dass ein Übergewichtiger „normal“ ankreuzen sollte!
Zum näheren Verständnis: „schlank“ bedeutet entweder dünn oder wirklich schlank: flacher Bauch (auch ohne ihn einzuziehen), Taille schlanker als Brust und Hüfte sowie praktisch kein Hüftgold. „Normal“ bedeutet: ganz kleiner Bauchansatz, kleine Griffe an den Seiten über den Hüften, oder eine gewisse Stämmigkeit ohne Ausbeulung vornedran.
Vor einem halben Jahr traf ich über das Portal „Finya.de“ einen (eigentlich sehr netten) Mann, der „schlank“ angekreuzt hatte und sich als sehr sportlich und bewegungsfreudig bezeichnete. Auch er hatte kein Ganzkörperfoto im Profil. Beim Treffen sah ich einen Mann, auf dessen Figur weder „schlank“ noch „nomal“ zutraf, vielleicht nicht mal die Finya-Angabe „ein paar Kilos zuviel“. Ich musste das aber nicht einmal monieren, denn gleich zu Beginn des Dates sagte er: „Naja, wie du siehst, bin ich noch nicht ganz schlank. Ich bin aber bereits dabei. Mein erklärtes Ziel ist es, bald xx Kilo zu wiegen.“
Weitere Dates ergaben aber, dass er weder „sehr sportlich“ noch „bewegungsfreudig“ war, sondern seine Freizeit überwiegend mit der Beschaffung, Zubereitung und dem Verzehr von Leckereien verbrachte, fast immer süß oder fettig (oder beides). Die restliche Zeit füllte er mit dem Konsum von Alkohol.

In etlichen Männerprofilen werden auch vier oder sechs Sportarten aufgezählt, die man aktiv betreibe, und wenn ich denjenigen kennenlerne, stelle ich fest, dass er das alles mal früher gemacht hat, aber nun seit Jahren nicht mehr. Du kannst dich zum Beispiel nicht als „Surfer“ oder Marathonmann“ bezeichnen, wenn du das mindestens zwei Jahre nicht mehr gemacht hast! Ein Surfer oder Marathoni oder meinetwegen auch „Schwimmer“/ „Biker“/ „Snowboarder“ o.ä., das sind Menschen mit einer Leidenschaft für diesen bestimmten Sport, die es nicht mal aushalten würden, das EIN Jahr lang nicht mehr zu betreiben!
Aber da ich eine sportliche Frau bin und dies auch im Profil äußere, wird mir das gern als Lockstoff unter die Nase gehalten, damit ich anbeiße. Manche erhoffen sich dadurch auch, dass ich sie dazu animiere, ihre frühere Sportlichkeit wieder aufzunehmen. Meiner Erfahrung nach funktioniert das eh nicht. Sie ziehen ein paar Monate mit und dann verfallen sie wieder in die vorige Trägheit. Entweder du hast die Bewegungsfreude und Sportbegeisterung im Blut und machst es ganz freiwillig, von allein, oder eben nicht.

Einer dieser Jungs, der mich mit Sportlichkeit zu locken versuchte, hat im Profil auch „gelegentlicher Raucher“ stehen. Unter „gelegentlicher Raucher“ wird doch landläufig jemand verstanden, der NICHT jeden Tag raucht, sondern eben GELEGENTLICH eine oder höchstens zwei Zigaretten: nach einem üppigen Essen oder wenn er mit Kumpels ausgeht und einen trinkt. Dieser Kandidat jedoch steckte sich bei unserem ersten (und letzten) Telefonat schon nach drei Minuten die erste Zigarette an, im Glauben, ich würde es eh nicht mitkriegen, und rauchte während unseres anderthalbstündigen Gesprächs praktisch Kette.
Was viele Frauen an Jahren und Kilos weglassen, packen manche Männer an Zentimetern ihrer Körperhöhe oder an Aufwertungen ihrer Schulbildung und beruflichen Tätigkeit wieder drauf. Manche sehr lässigen Singles unterschlagen auch eben mal ihre Kinder, ebenso wie feste Partner; so manche/r lebt noch mit Ehemann/-frau unter einem Dach, hat aber „getrennt lebend“ oder gar „single“ angegeben. Oder es steht ein falscher Wohnort drin, nämlich der, an dem man zukünftig gerne wohnen würde, aber via Datingportal noch jemanden sucht, der einem den Start in die neue Stadt erleichtert, etwa durch Obdach und persönliche Betreuung – Näheres dazu aber ein andermal.

Fazit: Schwindeln in deinem Profil lohnt sich nicht – denn abgesehen davon, dass es eh rauskommt, musst du oftmals auch noch rüde Absagen, Vorwürfe und Demütigungen einstecken. Steh zu dem, wie du bist, was du hast und was du machst oder nicht machst, denn nur so wirst du jemand finden, der dich um deiner selbst willen liebt, mitsamt deiner (wie auch immer zu bewertenden) Eigenschaften.
© Beatrice Poschenrieder

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