Online-Dating: Soll ich ihn/sie treffen oder den Kontakt abbrechen?

Wann man beim Online-Dating einen Kontakt beenden sollte, statt die Person erstmals oder weiterhin zu treffen, hab ich zwar im Beitrag „Wie sag ich, dass ich kein zweites Date will?“ schon angeschnitten, aber nur nebenbei. Oftmals im Kennlern-Prozess gibt es sogar mehrere Anlässe zum Ausstieg, die ungenutzt bleiben, weil man seinem Bauchgefühl zu wenig traut und zu sehr von dem beherrscht wird, was einem in der Kindheit eingetrichtert wurde, etwa „Sei nett und dulde die Macken anderer“, und weil man die Sprüche im Hinterkopf hat, die manche Leute einem Single gerne geben: „Wenn du so anspruchsvoll bist, wirst du nie einen finden!“
Die dazu passende Geschichte kommt von einer Freundin von mir, M.; sie ist sehr hübsch, sehr gepflegt, klug, interessant – und eine gestandene Frau, nur leider manchmal im Umgang mit Männern nicht so…

In der Singlebörse schrieb ein Typ M an, der ein sympatisches Profil und ein (einzelnes) ansprechendes Foto drin hatte: er entspannt auf einer Sonnenliege lümmelnd, heiterer, warmherziger Gesichtsausdruck, lässiges T´Shirt, nette Frisur.
Sie schrieben ein bisschen, ein Telefonat kam aber tagelang nicht zustande, weil er aus irgendeinem Grund nicht übers Handy telefonieren wollte, sondern nur auf Festnetz.
„Qualmer“Als es dann klappte, was das Telefonat nett, jedoch stellte sich heraus, dass er nicht, wie im Profil angegeben, nur „gelegentlich“ rauchte, sondern, Zitat: „etwa 30 am Tag“. (Anmerkung: Solch starke Raucher tendieren meist dazu, sogar weniger zu nennen, als es in Wirklichkeit sind.)
Auch diese Falschangabe im Profil wäre schon ein legitimer Grund, Adé zu sagen.
M mag es nicht mal, wenn ein Mann drei Kippen am Tag qualmt, warum zum Teufel stieg sie hier nicht aus??
Immerhin sagte sie ihm, dass sie mit der Geruchsfahne, die starke Raucher um sich haben, nicht gut klar käme. Der Typ entgegnete, er wolle eh auf E-Zigarette umsteigen, er habe sich auch schon eine ganz tolle gekauft, die würde er zum Date mitbringen. Sie bat ihn, das Ding schon ein paar Stunden vor dem Treffen zu nutzen statt normaler Zigaretten, er war einverstanden.
Sie vereinbarten, sich Samstag abend zu einem kostenlosen Konzert in einer netten Location in Berlin-Kreuzberg zu treffen, und zwar schon eine Stunde vor Konzertbeginn, um ein wenig zu plaudern.
Am Mittag des betreffenden Samstags schrieb er ihr plötzlich, er sei mies drauf, weil eine Frau, mit der er just am Dienstag ein Date gehabt hatte, ihm eben gesimst hätte, dass er überhaupt nicht so aussähe wie auf seinem Foto, und nun befürchtete er, dass M das auch fände und dann das Date schlecht verliefe.
Obwohl M es ein bisschen doof fand, dass er ihr reindrückte, erst vier Tage zuvor eine andere gedatet zu haben, als M und er schon fleißig hin und her mailten, schlug sie ihm locker und freundlich vor, er möge ihr doch einfach ein paar Selfies senden, dann könnte sie ihm schon sagen, ob sein Profilbild und die Realität zu weit auseinanderklafften.
Erste Reaktion: „Nähhh, ich mach nie Selfies!“
Hier dachte sie nun zum ersten Mal: Mann, der stellt sich ja an…! Sollte ich es vielleicht lieber lassen?
Sie schrieb ihm, es sei doch ganz einfach, notfalls auch in den Spiegel hinein.
Es kam anderthalb Stunden nichts von ihm und dann nur ein einzelnes Selfie, das komplett von unten geknipst war, sozusagen das Kinn in Großaufnahme, das Gesicht war nicht gut zu erkennen. M seufzte vor sich hin: Hm, was soll das denn? und erwiderte: „Gibt´s noch mehr Fotos?“
Er verneinte, er habe schon das Beste rausgesucht.
Bereits hier hätte man guten Grund, die Sache zu beenden. Wenn jemand sich so dusselig anstellt, dass es eigentlich schon wirkt, als ob er absichtlich nicht kooperativ ist, dann IST es meist auch Absicht! wenn zum Teil auch unterbewusst. So jemand ist in der Regel auch bei näherem Kontakt oft zu wenig kooperativ, sondern bockig, trotzig oder passiv-aggressiv (dies würde sich später bewahrheiten).
M hatte sich aber schon auf den Abend gefreut und eingestellt, zudem mochte sie nicht allein zu dem Konzert gehen, also blieb sie geduldig und erwiderte nichts.
Von ihm kam – wiederum anderthalb Std später: „Ich hab so beschissene Laune, ich sage für heute ab.“

Jetzt aber, liebe/r Leser/in: Wenn jemand ein bereits fest abgemachtes Treffen wegen gedrückter oder schlechter Laune cancelt, dann beende bitte den ganzen Kontakt! Es hat keinen Sinn!!! (wie du am Fortgang der Geschichte merken wirst.)
MACH ES NICHT WIE M!!!
Die nämlich zögerte aus o.g. Grund; und sie hatte in der Kindheit gelernt, die Laune anderer zu bessern, also rief sie ihn in dieser Absicht an. Am Telefon ließ er sich nochmal aus über diese unmögliche Frau, die ihm die böse Bemerkung gesimst hatte. M sagte: „Vielleicht hatte die n schlechten Tag oder fühlte sich von dir zu wenig angeflirtet.“
Der Typ meinte, „ja, genau das wird´s sein“ und beruhigte sich. M fragte ihn, ob er immer noch bei seiner Absage bleiben wolle, er: „Wir können uns ja ein andermal…“, sie: „Würdest du an meiner Stelle den Mann ein andermal treffen?“ Er: „Hm, eher nicht, was?“
Er sagte das Treffen dann doch zu und M war stolz, dass sie es so geregelt hatte. Ich finde nicht, dass sie es gut geregelt hat.
Ich möchte es nochmal betonen:

Sagt jemand ein bereits vereinbartes Date ab, weil er z.B. sauschlechte Laune wegen Pipifax hat, kannst du Gift drauf nehmen, dass er sich, wenn ihr eine Beziehung hättet, sehr oft von seinen Launen leiten ließe statt von Zuneigung und dem Willen, eine gute Bindung zu pflegen, und dich dann nicht sehen will und/oder vor den Kopf stößt.
Brauchen wir sowas? NEINNNNN!!
Wie das Date weiter verlief, gibt´s im nächsten Beitrag!
© Beatrice Poschenrieder „"

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.