Online-Dating: Soll ich ihn/sie treffen oder den Kontakt abbrechen? (Teil 2)

Im letzten Beitrag erzählte ich euch ja die Geschichte meiner Freundin M, die ein Treffen mit einem merkwürdigen Typen vor sich hatte, der ihr beinah wegen schlechter Laune abgesagt hätte, nur weil sein voriges Date fand, er sehe gar nicht so aus wie auf seinem Foto.
Leider hörte M nicht auf ihren Bauchimpuls, dass es mehrere Gründe zum Kontaktabbruch gab, sondern fuhr am Abend mit den Öffentlichen zum Treffpunkt. In der U-Bahn stand einer direkt neben ihr, von dem sie einen Moment dachte: Hoffentlich ist er das nicht! Sie verwarf den Gedanken aber sofort, weil derjenige deutlich unattraktiver und ungepflegter war als der Mann auf dem Profilfoto.
Am Zielort stieg er jedoch hinter ihr aus. Sie marschierte zu der Location, bemerkte im Augenwinkel, dass er ihr folgte. Kurz vor der Tür sprach er sie von hinten an: „Sind WIR heute verabredet?“
Sie dachte: Oh nein.
Dies wäre die nächste Gelegenheit gewesen, wo man vernünftigerweise hätte sagen sollen, „sorry, es stimmt, dass du live komplett anders rüberkommst als in deinem Profil, lass es uns lieber gleich beenden.“

Aber M, Frau Freundlich in Person, tat es nicht, sondern wechselte ein paar Worte mit ihm und dachte: Oh Himmel!
„mann Der Mann roch wie ein riesiger, übervoller Aschenbecher und sah auch so ähnlich aus: die Gesichtsfarbe fahl und farblos, die Körperhaltung traurig hängend, die Kleidung wie mit einem Grauschleier überzogen. Seine Miene wirkte grämlich, alt und wie von jemand, der sehr ungesund lebt und sehr unentspannt ist; und die Haare…! Aus irgendeinem Grund hatte er den Pony, der schnurgerade auf der Mitte der Stirn endete, mit Fett oder Gel in gleichförmigen Strahlen drapiert, sodass ihm dunkle Zacken in die Stirn ragten, was sehr bizarr aussah, vor allem in Kombination mit dem verlebten Gesicht und einer Brille mit strengem Metallgestell, wie es Mathelehrer vor 15 oder 20 Jahren trugen.
Sie dachte: Warum um Himmels willen hat er sich so eine Un-Frisur gemacht?! und dass sie nicht einmal ihren neunjährigen Sohn mit sowas aus der Tür lassen würde, weil er sofort von anderen Kindern gemobbt werden würde. Jedoch, sie könnte ihr Date ja nicht unverrichteter Dinge wieder wegschicken, zumal er ja bestimmt auch das Konzert sehen wollte. So nahm sie im Lokal mit ihm Platz und zwang sich zu höflicher Konversation. Er schien das nicht zu bemerken, sondern plauderte drauflos.

Hattest du mal ein Date mit jemand, den du weder ansehen noch riechen magst? Warum tun wir uns sowas an?
M versuchte, immer wieder ein bisschen von ihm abzurücken, weil er nicht nur außen nach Aschenbecher roch, sondern aus seinem Mund ein widerwärtiger Geruch strömte, wie eben bei jemand, der Kette raucht und sich auch sonst zu wenig pflegt. Offensichtlich mochte er M aber und rückte immer wieder nach, sodass sie sich bald fast am anderen Ende des Tisches befanden.
Liebe M, warum hast du nicht nach spätestens einer halben Stunde gesagt: „Das wird nix mit uns beiden“?
Sie wollte ihm nicht das Konzert verbieten und es auch selbst sehen, sonst wäre sie vielleicht gegangen. Also harrte und hielt sie aus.
Das Konzert begann, die erste Hälfte dauerte eine Dreiviertelstunde, dann machte die Band eine Pause. M´s Begleiter erhob sich sofort: „Ich geh mal draußen eine rauchen.“
Sie blieb sitzen und überlegte angestrengt, wie sie das Date beenden könnte. Dabei gab es genug Anlässe (dazu weiter unten), aber die hat eine Harmonietante wie M nicht so schnell auf dem Schirm.
Nach 10 Minuten kam er wieder und hatte sicherlich mindestens zwei Zigaretten geraucht, er roch nochmal deutlich schlimmer, also wirklich unerträglich!
Immerhin erinnerte sie sich endlich an die Abmachung, die sie am Telefon getroffen hatten, nämlich dass er schon ein paar Stunden vorher und dann auch beim Date nur E-Zigarette rauchen würde, und sagte es ihm. Er grinste schief und erwiderte: „Ja, haha, ich hab´s irgendwie ganz vergessen, außerdem hab ich vorhin aus Versehen den Regenschirm statt der Ezigarette eingesteckt!“ und zog seinen Knirps aus dem alten Parka.
Ich schwör´s, diese Geschichte hat sich genau so zugetragen!
In dem Moment dachte M: Was für ein saublöder Depp! Ich will hier raus!
Offensichtlich registrierte er die Entrüstung in ihrem Gesicht, erhob sich: „Mir gefällt die Band nicht, ich geh dann mal lieber.“

Zwei Tage später simste der Typ sie an: Das würde wohl nichts werden mit ihm und ihr?
M ergriff die Gelegenheit, ihn zu fragen, warum er sich das Ponyhaar so in die Stirn drapiert habe. Er schrieb, er habe gar nichts drapiert; er sei zwei Tage zuvor in Starkregen gekommen, vielleicht wäre das der Grund.
M fragte, ob er nie in den Spiegel sähe. Er: „Selten. Ich kümmere mich nicht um meine Haare, bin doch keine Frau.“
Sie empfand den ganzen Datingvorgang mit ihm als Missachtung ihrer Person – nicht nur dass zwischen seinem Foto und der Realität so ein Unterschied klaffte… Er hatte in ihrem Profil anhand vieler Bilder gesehen, dass sie eine attraktive, sehr gepflegte Frau ist, und er erachtete es weder als nötig, sich an die Abmachung mit dem Rauchen zu halten noch sich ordentlich anzuziehen, geschweige denn auch nur eine Sekunde in den Spiegel zu schauen, um sich mit nur einer einzigen Geste die Fransen aus der Stirn zu wischen?
M ärgerte sich sehr über die verschwendete Zeit, die vergebliche Vorfreude, die vorsätzliche Täuschung seitens des Kerls – und dass sie, statt zügig den Kontakt zu unpassenden oder sich unmöglich benehmenden Männern abzubrechen, im Gegenteil immer wieder Schön-Wetter machte und dadurch in so unangenehme Situationen kam.

Fazit 1: Wenn dir piepegal ist, wie du aussiehst, riechst und rüberkommst, dann fährst du besser mit einer Person, der das auch piepegal ist.
Fazit 2: Wenn dein Bauchgefühl dir im Vorfeld sogar mehrmals sagt, dass du den Kontakt nicht vertiefen, sondern lassen sollst, dann beende es – gleich!
Im nächsten Beitrag folgt meine Übersicht der wichtigsten elf Anhaltspunkte, woran du merkst, dass du dir ein Treffen sparen kannst
© Beatrice Poschenrieder

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