Sind Online-Dating-Nutzer einsam und verzweifelt?

Ein sehr zerknautschter Typ (angeblich 40, aber dem Foto nach mindestens 47) mit einem Nickname, der auf einen sehr merkwürdigen Sexfetisch hinweist, hat eines dieser nichtssagenden Profile erstellt: ein Portraitfoto, ein kleines Statement, sonst nichts. Und in dem Statement steht nur folgendes drin:
>>Ich finde es komisch, dass Frauen, die aus lauter Einsamkeit und Verzweiflung eine Internet-Dating-Seite benutzen, um Liebe zu finden, überhaupt darüber lamentieren, was sie „nicht wollen“ oder was sie „nicht akzeptieren können“. Jedoch finde ich es leicht zu verstehen, dass diese Frauen niemals über die Gründe nachgedacht haben, warum sie einsam und verzweifelt sind.<<
Der Typ macht gleich mehrere Denkfehler. Einer seiner Denkfehler ist sehr verbreitet, nämlich dass Menschen sich aus Verzweiflung (weil sie schon so lange einsam sind oder weil sie das Alleinsein nicht aushalten) in diese PEINLICHEN Ansammlungen von anderen Verzweifelten und Ladenhütern begeben, nämlich Singlebörsen. Was natürlich alles absoluter Schwachsinn ist.
Da ich beruflich und privat schon seit Jahrzehnten mit Singles, Single-Parties, Kennlern-Möglichkeiten, Kontaktanzeigen und -börsen zu tun habe, kann ich guten Gewissens behaupten:
Im „normalen“ Leben treiben sich prozentual genauso viele Verzweifelte und Nicht-Verzweifelte, Gestörte und Nicht-Gestörte herum wie auf Online-Dating-Foren.
Für die meisten User stellt eine Singlebörse eine Zusatz-Möglichkeit dar, potenzielle Partner zu treffen, und für Menschen ab 40 oder 45, die über den Beruf kaum neue Leute kennenlernen und weder Zeit noch Lust haben, sich dauernd in Bars, Clubs und auf Singleparties herumzutreiben, ist es oft die beste Möglichkeit. Ich würde sogar sagen: Jeder Single, der diese zeitgemäße, meist kostengünstige und zeitsparende Möglichkeit NICHT nutzt, ist dumm. Denn aufgeschlossene Leute probieren natürlich auch Online-Dating aus! Und das sind zum Teil sehr tolle, interessante, liebenswerte, beziehungsfähige Personen. Dementsprechend gibt es heutzutage schon sehr viele Paare, die sich übers Internet gefunden haben, und es werden laufend mehr, weil diese Form des Kennenlernens immer mehr Akzeptanz und Verbreitung findet und von vielen ganz selbstverständlich genutzt wird.


Ferner ist dem o.g. Zerknautschten kein bisschen klar, warum „diese Frauen“ in ihre Profile reinschreiben, was sie nicht wollen und nicht akzeptieren können. Nun: Sie tun das, weil sie anfänglich mal recht offene Profile angelegt hatten und die Erfahrung machten, dass sie von Kontaktangeboten nur noch zugemüllt werden – und zwar zu 98 % von Typen, die überhaupt nicht passen. Im Nu ist das Postfach so voll, dass keine neuen Mails mehr ankommen, und die betreffenden Frauen verbringen Stunden mit Aussortieren. Also vermerken sie in ihrem Profil, was für sie gar nicht geht, um wenigstens die „Geht-garnicht“-Typen von vornherein fernzuhalten. Wenn z.B. eine Frau ums Verrecken nicht auf 20 Jahre ältere Männer, dicke Bäuche und Stubenhocker steht, dann macht es null Sinn, offen für Männer mit diesen Eigenschaften zu bleiben, weil sie sich eh nie in so einen verlieben wird.

Der dritte Denkfehler des Zerknautschten ist, dass er meint: Wenn frau diese „Geht-nicht”-Kriterien weglassen würde und offen für jeden wäre, dann wäre ihre Chance höher, dass sie jemanden abkriegt. Nun: sie will aber nicht „jeden“ oder „irgendeinen“, denn sie ist ja nicht verzweifelt, sondern im Moment in einem anderen Zustand als „gebunden“, nämlich ungebunden. Gebunden und ungebunden sind im Prinzip gleichwertige Zustände, keiner ist besser oder schlechter als der andere, selbst wenn das einige Leute anders sehen (etwa die, die sich ohne Partner minderwertig fühlen). Diese Frauen wollen also nicht einen Kerl haben, der z.B. Kette raucht und doppelt so viel Leibesumfang wie sie, aber nur den halben IQ hat. Da bleiben sie lieber single und noch ein Weilchen auf dem Portal. Denn, Mr. Zerknautscht, ob du´s glaubst oder nicht: Online-Dating macht Spaß (wenn man´s richtig macht).
Ich vermute, dass der Zerknautschte keinen Spaß hat und dieses unsinnige Statement bei sich reinschrieb, weil er gefrustet ist über die ungemein vielen Frauen, bei denen er durchs Raster fällt. Er schaut aber nicht, ob´s an ihm oder seinem Profil liegen könnte, sondern schiebt es auf die verzweifelten = gestörten Frauen und deren Mangel an Akzeptanz. Tja. Ich denke, es liegt eher an seinem merkwürdigen Fetisch und seinem dürftigen Profil.
© Beatrice Poschenrieder
„Mr.

 

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