Praxistest und Erfahrungsbericht spontacts.de (Teil 2)

Fortsetzung meines Erfahrungsberichts über die Mitmach-Plattform spontacts.de, Feststellung: Besonders spontan sind die meisten Leute hier nicht

Zusammen radeln, ist immer eine schöne Sache

Wie in Teil 1 dieses Praxistests erwähnt, fand ich die von jemand anders organisierte Radtour nicht so doll, daher stellte ich selber im Verlauf von vier Wochen 3 Touren für je einen Samstag oder Sonntag* zusammen und online – aber eben nur zweieinhalb Tage vorher, weil beim Radeln das Wetter (auch der Wind) noch mehr Rolle spielt als beim Wandern oder Spazieren. Ich kriegte jede Menge Nachrichten von Interessenten, aber… sich zweieinhalb Tage vorher auf eine Radtour einzulassen, die noch nicht mal den ganzen Tag in Anspruch nimmt, schien für keinen machbar zu sein; sie schrieben z.B. „Kann am So nicht, gern ein andermal“ oder „Schade, zu kurzfristig“ oder bemängelten, dass meine Strecke zu lang sei, die Uhrzeit (10 Uhr) zu früh oder dass sie ein Stück mit der S-Bahn fahren mussten (einer fragte doch tatsächlich, ob ich denn nicht die Route so legen könnte, dass er sich von seinem Wohnort – Erkner Süd – einklinken konnte) etc.pp..

* Einen anderen Tag als Sa oder So kann man offenbar vergessen, da kommt keiner mit, nicht mal Arbeitslose oder Rentner. Keine Ahnung, warum.

Bei meinen vorgeschlagenen Wanderungen und Konzerten war es ähnlich: 2 – 3 Tage vorher scheint den meisten zu kurz und ZU SPONTAN zu sein, außer diesen merkwürdigen Typen mit den bilderlosen und auch sonst fast leeren Profilen und den arabischen Vornamen. Ali, Mahmut und Muhammed waren immer schnell dabei, sich anzumelden, aber wegen eines Unsichtbaren begab ich mich nun wirklich nicht zum Treffpunkt am Bahnhof XY, um dann mit demjenigen stundenlang durch einsame Landschaften zu wandeln.

So viel zum Thema „Spontacts“ wie „spontan“. Vielleicht sollte die Börse eher in „Planacts“ umbenannt werden?

Eine Wanderung setzte ich auf Ostern an, und zwar schon 5 Tage vorher. Ich hatte Anmeldungen von einem dieser arabischen Männer und von drei Frauen. Na gut, dachte ich, wir Frauen sind zu viert, dann nehmen wir den Kerl mal mit. Zwei der Frauen beballterten mich am Vorabend mit vielen Mails – wie lang die Strecke genau sei, was man anziehen müsse, ob ich nicht einen anderen Treffpunkt und eine andere Uhrzeit machen könnte usw. usf.. Ich hab eigentlich was Besseres zu tun als für einen Ausflug, der die anderen nichts kostet, stundenlang Nachrichten zu beantworten, aber ich wollte es durchziehen, also kommunizierte ich geduldig.
Treffpunkt Hauptbahnhof um 11. Die eine Frau sagte um neun ab, die andere um 20 vor 11, als ich bereits in der S-Bahn zum Treffpunkt saß. Na super. Klar fuhr ich trotzdem zum Treffpunkt, um zu schauen, ob der Mann und die dritte Frau gekommen waren. Tja, was soll ich sagen… Da war keiner.

Auf meine Radtouren-Vorschläge meldete sich immerhin eine Frau, die schrieb, sie wäre offen und bereit für häufiges Radfahren, sie sei Freiberuflerin, daher zeitlich recht flexibel, werktags, wochenends… Wir whatsappten, telefonierten und stellten fest, dass wir ähnliche Räder und eine ähnliche Fahrweise hatten. Aber was auch immer ich vorschlug: Es kam ihr etwas dazwischen. Manchmal sagte sie erst dann ab (also sehr kurzfristig), wenn ich die ganze Tour schon komplett durchgeplant hatte, inklusive der Bahnverbindungen für sie und mich. Ich war aber nicht diejenige, die das Handtuch schmiss; nachdem sie mir wiedermal abgesagt hatte, schrieb ich ihr: „Na dann machen wir es vielleicht so, dass du mir durchgibst, wenn du dir sicher bist, dass du frei hast und Lust auf eine Tour, oder?“
Es kam nie wieder ein Piep von ihr. Meine nette Sprachnachricht 10 Tage später hat sie bis heute nicht abgehört – merkwürdig.

Auf Spontacts kannst du auch als kostenloses Mitglied diese Freundschaftsfunktion wie bei Facebook nutzen und andere Mitglieder anschreiben. Ich wurde von einigen kontaktiert. Die meisten fragten an, ob man auch mal ohne fixes Event zusammen sporteln könnte, so wie die o.g. Frau. Mit einem Mann, der mit mir mal radeln wollte, kommunizierte ich auch ziemlich lange, irgendwie konnte er sich nicht aufraffen, einfach mal mitzukommen (mit ihm bin ich auch nie gestartet, weil am Schluss rauskam, dass er schwer übergewichtig ist und höchstens 20 km am Stück durchhält – keine Ahnung, was er bei einer Radlerin wollte, in deren Profil steht, dass sie Strecken von 50 – 140 km pro Tag fährt).
Die Freundschaftsfunktion und das Anschreiben wurde auch fleißig von den erwähnten Männern mit den leeren Profilen und den arabischen Vornamen (alle deutlich jünger als ich) genutzt, oft sogar sehr aufdringlich, bis ich sie blockierte. Und von einem merkwürdigen Typen namens Chris, der ein Foto drin hatte, das nur ein Auge zeigte, was obendrein irgendwie unheimlich aussah. Er wollte unbedingt mit mir radeln gehen und sandte gleich mehrere Mails; ich schrieb ihm, dass ich gern erst mal wüsste, wie er aussieht, da dieses einzelne schielende Auge doch ein bisschen spooky war. Da kamen von ihm gleich 4 Nachrichten hintereinander: Ob er es mir per WhatsApp schicken könnte. Ob ich ihm dann mehrere Bilder von mir senden würde. Was ich grade machen würde. Was ich am Sonntag machen würde.
Ich erwiderte: «Hallo Chris, ich will dir weder meine Handynummer noch Fotos von mir schicken noch dir verraten, was ich grade und am Sonntag mache. Ich glaub, du verwechselst da was. Das hier ist ein Portal, um Leute für Gruppenaktivitäten zu finden. Ich bin nicht gewillt, mich bei dir für eine wie auch immer geartete Zweisamkeit zu bewerben. Sorry, dass ich dich jetzt blockiere.»

Gestern (beim Entwerfen dieses Beitrags) schrieb ich noch als Fazit: «Zeitaufwand für Planung, Vorschläge online stellen, Organisation, Anfragen beantworten, mit einzelnen kommunizieren: ca. 3 volle Arbeitstage. Output: Eine einzige Radtour, die ich nur mittelmäßig fand (ich berichtete in Teil 1). Schade!»
Das hat sich heute geändert. Ich überlegte nämlich vor ein paar Tagen, dass ich der Sache nochmal eine Chance gebe, und stellte eine Wanderung für heute (Sonntag, 5.1.20) ein, am Rand von Berlin. Vier Frauen meldeten sich an, erschienen ALLE superpünktlich, und wir hatten zu fünft einen ganz wundervollen Ausflug, entspannt, harmonisch, kommunikativ. Geht doch!

© Beatrice Poschenrieder

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