Auch auf “seriösen” Singleportalen gibt´s schräge Typen

Hier ein schönes Beispiel für einen dieser Typen, die bei Elitepartner Gießkannenmails verschicken, allerdings in Form ewig langer Romane. Vorab: Der Schreiber behauptet in seinen Profilangaben, 49 und schlank zu sein – die Fotos verraten aber, dass er mindestens 59 ist und üppige Leibesfülle hat. Zum Schutz seiner Person habe ich alle identifizierenden Merkmale rausgenommen und statt dessen Klammern eingesetzt. Denkt euch euren Teil.


«ich schreibe dir, weil dein Profil mir sehr gut gefällt, und weil ich hoffe, auf eine Freundschaft mit dir, die uns bereichert und für immer anhält. ich stelle mich kurz vor: Der körperlichen Leistung und den geistigen Aktivitäten nach bin ich noch jung, absolut gesund und sehr sportlich. Meine Urgroßeltern stammen aus (xxx). Nach dem Abitur kam ich nach Berlin, um Germanistik zu studieren. Tätig bin ich als (xxx) und (xxx). Eine gute, aufrichtige, ehrliche und warmherzige Freundschaft lohnt sich mit mir. Ich bin natürlich, verständnisvoll und lieb. Ich bin ein großer Verehrer von Goethe und den deutschen Klassikern. Ich habe ein gutes, gesichertes Einkommen und eine schöne Drei- Raumwohnung im Norden von (xxx). Es ist nicht entscheidend, wie Du aussieht, viel mehr zählt bei mir der Charakter, die Ehrlichkeit, die Aufrichtigkeit, die Schönheit der Seele, der Reichtum des Inneren und die menschliche Tiefe. Nach Abschluss meines Germanistikstudiums begann ich mit 23 Jahren meine Doktorarbeit über „Das Menschenbild im Werk von (xxx)“. Danach promovierte ich. Meine Ehefrau (hier voller Name der Frau und ihr Beruf) aus (xxx, Bundesland xxx) ist sehr jung gestorben. Ich bin ehrlich, zuverlässig, treu, optimistisch, Nichtraucher, habe ein liebes, lebendiges Wesen und bin ein Genießer von Leben, Natur und Kultur. Ich möchte mit Dir (mit Engelsgeduld) eine echte große Liebe, die ständig wächst und für immer anhält, aufbauen. Ich habe für Dich Zeit und ich finde für Dich Zeit. Ich setze mich ein, damit Du dich erholst, um mit Dir schöne Stunden zu genießen: Im Wald, an einem See, zu Hause mit Musik, wir führen schöne, gute Gespräche, wir planen und erleben schöne Reisen, wir gehen ins Theater, ins Kino und in Konzerte, wir haben nichts vor, wir lesen Bücher. Ich bin im Leben Realist und Romantiker zu gleich. Das Geld, das Vermögen ist dazu da den Menschen im Diesseits glücklich zu machen. Ich habe immer gute Laune, denn ich stamme von dem Volk der Sonnentrinker ab. Ich führe ein schönes, sinnvolles Leben: Mit Dir aber kann alles schöner, alles sinnvoller, alles realistischer und romantischer sein. Als (xxx) habe ich fast alle Länder bereist und viele Freunde dort gefunden. Meine menschlichen Erfahrungen sind dadurch umfangreicher geworden, so dass ich von mir sagen kann, dass ich ein Menschenkenner bin. Das Besondere an mir ist, dass mein Hals so lang wie bei einer Giraffe ist, so dass keine unüberlegten Lebensentscheidungen meinen Mund verlassen, sodass ich mein aus Büchern und vom Leben gesammeltes Wissen erfolgreich im Leben anwenden kann. In herzlicher und freundschaftlicher Verbundenheit, freue mich ehrlich von Dir zu hören. Ein Gramm Guten Charakter ist besser als zehn Kilogramm Gold. Sei lieb gegrüßt von mir (Name: xxx) meine Adresse: (xxx) sende mir bitte Deine Postleitzahl, danke.»

Allein schon die Länge dieser Initiativ-Mail ist absurd – wenn er denn mal ein wenig Zeit darauf verwendet hätte, einen Blick in mein Profil zu werfen, und wenigstens einen der vielen Sätze direkt an mich zu richten! Wozu dieser Mann seinen Namen und Adresse, den Namen und Beruf seiner verstorbenen Frau und so viele Lebenslauf-Details sendet, ist mir unbegreiflich – und in Kombination mit der langen unpersönlichen Mail geradezu grotesk.

Fazit: Nabelschau vor einer dir völlig unbekannten Person, deren Bild du nicht mal sehen kannst? Und das auch noch als vorgefertigte Mail, an zig (oder Hunderte?) Frauen verschickt? Das ist unseriös und kann einfach nicht gut gehen.
© Beatrice Poschenrieder
„Mr.

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