Diese Profilfotos lieber nicht einstellen! (Teil 2)

Obwohl es mich schon manches Mal ein bisschen genervt hat, wenn Männer, die ich über Online-Dating kennenlerne, mit meinen drei bis fünf Fotos im Profil nicht zufrieden sind und nachfragen, ob ich noch welche per Email sende: Irgendwo kann ich es auch verstehen. Denn diese Männer haben – wie auch ich schon manches Mal – die Erfahrung gemacht, dass einige User/innen nur geschönte Bilder einstellen, die nicht ganz die Realität abbilden.


Bei dem allerersten Treffen, was ich je über eine Singlebörse hatte, war das auch der Fall. Zugegebenermaßen war ich auch selber ein bisschen Schuld dran, dass es ein Flop wurde, denn ich hatte es zu eilig. Damals (vor 10 Jahren) war ich nach einer langen Partnerschaft schon über ein Jahr Single und beklagte mich einen Tick zu oft bei meinem Nachbarn Jörg, dass es beim Ausgehen einfach nicht klappte, jemanden zum Verlieben kennenzulernen. Jörg ordnete an: „So, du meldest dich jetzt sofort auf dieser Singlebörse an“ (es war eine, die man kostenlos nutzen konnte), „und wenn du innerhalb einer Stunde ein Date zustande bringst, lade ich dich zum Essen ein.“
Wie ihr euch denken könnt, schaffte ich das. Schon Minuten nach erfolgter Anmeldung flatterten die ersten Kennlern-Angebote in mein Postfach, und einer davon hatte ein sehr ansprechendes Foto im Profil; nur ein einziges – aber nun, damals war ich noch vertrauensvoll und gutgläubig. Das Foto zeigte das Portrait eines attraktiven 38jährigen: schöne seelenvolle Augen, tolle Frisur, die sein frisches Gesicht unterstrich, und ein schickes Hemd. Wundervollerweise war er auch sofort bereit, mich zu treffen.
„schlapperAls ich zum Treffpunkt kam, stand da zwar einer herum, aber der sah überhaupt nicht aus wie der Mann auf dem Foto! Alles an dem Kerl hing schlapp herunter: seine Haare, sein Gesicht, seine Schultern, seine Arme, seine Kleidung. Er schlurfte auf mich zu wie ein müder alter, nicht sehr gepflegter Mann, der es aufgegeben hat, Frauen für sich gewinnen zu wollen, und murmelte zwischen den Zähnen hervor: „Du bist sicher die von der Single-Plattform.“
“Ja”, sagte ich, “und wer bist du?”
Er grinste bedröppelt, weil er dachte, es sollte ein Witz sein, und ich dachte auch: Soll das ein Witz sein? Wo ist die versteckte Kamera?
Ich setzte mich mit ihm in das Café und absolvierte mit gemischten Gefühlen mein erstes Online-Date. Nachdem der Kerl ein wenig aufgetaut war (aber leider nicht attraktiver), sagte ich vorsichtig, dass es einen gewissen optischen Unterschied zwischen dem Foto und ihm live gäbe. „Naja“, sagte er, „meine Cousine arbeitet bei ner Werbeagentur und die haben mal unbekannte Gesichter für ne Kampagne für so nen Hemdenhersteller gesucht. Ich war dann in nem professionellen Fotoshooting. Dafür haben sie mich stundenlang zurechtgemacht, Friseur, Visagistin, Stylistin. Und dann auch noch Bildbearbeitung. Ist ganz gut geworden, ne?“
Ehrlich gesagt, ich finde das kacke. Oberkacke. Ich freue mich auf ein Date mit einem leckeren Mann und kriege eine lasche Gammelwurst.
Hey Leser/in: Mach das NICHT!!! Stell nicht bloß total geschönte Bilder von dir ein! Das bringt nix!
Meinem allerersten Date passierte noch nicht so viel, außer dass er meinem Gesicht die Entäuschung sicherlich angesehen hatte und dass er danach nie wieder von mir hörte; aber wenn du Pech hast, fällt deiner Verabredung sehr offensichtlich die Kinnlade runter und er/sie dreht auf dem Absatz um. Oder schlimmstenfalls kriegst du eine bitterböse Bemerkung, wie ein Bekannter von mir sie seinem Date entgegenschleuderte: „Sag mal, willst du mich verarschen?! Ich dachte, ich treff ne knackige 40jährige und nicht eine, die oller aussieht als meine Mutter!“
Was hast du dann von deinen schicken Bildchen? Nix, null, nada. Im Gegenteil, nicht nur dein/e Kandidat/in verpieselt sich, sondern auch dein Selbstwertgefühl.

Fazit: Es ist okay, wenn ein oder zwei aufgehübschte dabei sind, aber es sollten von der Anzahl her mehr Fotos auf deiner Profilseite sein, die dich realistisch darstellen.
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© Beatrice Poschenrieder

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