Das Penisbild-Experiment: Mein dritter Kandidat

Beatrice Poschenrieder war es leid, auf Singlebörsen dauernd Angebote für schnellen Sex zu bekommen, und nahm die Sexjäger hoch…

Hui, dachte ich, das ging ja leicht!, als ich nach nur einer kleinen dezenten Aufforderung von zwei Sexjägern auf Singlebörsen je ein Abbild ihres Schwengels zugesandt bekam.
Der nächste Penisbild-Verschicker ließ nicht lange auf sich warten – wieder auf der Dating-Plattform OkCupid. Kaum war ich dort angemeldet, stürzten sich ein paar jüngere Männer auf mich, zuerst der im letzten Beitrag beschriebene 39jährige und nun, zwei Tage später, ein ansehnlicher 28jähriger. Wie die meisten dieser Sorte von Kerlen, näherte er sich mir mit flachem Geplänkel: „Hey!“ (Bloß nicht zu viel Mühe investieren!)
Ich (eigentlich uninteressiert, aber mein Penisbild-Experiment im Auge): „Selber hey!“
Er: „Wo in Berlin wohnst du? Ich in Pankow.“ (Wenn ich in Kladow gewohnt hätte, wäre ich für ihn vermutlich nicht mehr interessant gewesen – für ein flüchtiges Abenteuer fährt man nicht gern ewig durch Berlin und die Pampa.)
Ich (lügend): „Prenzlauer Berg. Wir sind Nachbarn!“
Ich dachte, bestimmt will er als nächstes wissen, ob ich auch jüngere Männer mag. Na klar. Er fragte: „Ich hoffe, du magst jüngere Männer?“
Ich: „Kommt drauf an.“
Er: „Vielleicht wollen wir mehr Fotos sehen voneinander?“ (Fein, er steuerte ja ganz von selbst in die Richtung, in die ich wollte!)
Ich: „Das wäre klasse. Fotos mit mehr Details. Möchtest du mir was senden? Meine Emailadresse ist ……“
Er, einen Tag später: „Hast du Facebook oder WhatsApp?“
Das fehlte mir ja grade noch, dem meine Identität und meine Handnummer zu verraten. Ich antwortete: „Nope. Ich schätze Privatheit.“
Er: „Hast du Skype?“
Oh Mann. Der hier machte es mir nicht so leicht wie die zwei vorigen Penisbild-Verschicker. Er wollte sich absichern, bevor er etwas Intimes von sich verschickte, das ist schlau.
„Nein. Meine Privatsphäre ist mir heilig. Wenn du wüsstest, was ich beruflich mache, würdest du es verstehen.“
Das schien ihn anzuheizen: „Oh, eine geheimnisvolle Frau! … Ok, ich schick dir ein Bild, aber nur wenn du mir dann auch eins schickst.“
Ich: „Gut.“
Einen Tag später hatte ich´s im Postfach. Der hier war anscheinend nicht so routiniert wie die beiden anderen; seine Emailadresse verriet zwar nicht seinen Namen, aber das Foto zeigte ihn im Ganzen. Ein eigentlich netter Kerl, der sich nackt in seinem großen Spiegel geknipst hatte, und zwar nicht mit penetrantem hochrotem Ständer, sondern eher so wie die Jungs in der Bravo, mit Halberektion und freundlichem Gesichtsausdruck. Der Spiegel zeigte auch einen Teil seiner Behausung: billig eingerichtet und etwas müllig.
Angenommen, ich wäre eine gut situierte Ehefrau auf der Suche nach einem jugendlichen Liebhaber und wir können es nur bei ihm treiben: Möchte ich da hin? Nö.

Also, Jungs, wenn ihr auf Sexgeschichten mit gepflegten (vielleicht auch reifen) Frauen und MILFs aus seid, dann sorgt wenigstens für eine ordentliche Bude.
Aber was mach ich jetzt mit dem?, fragte ich mich. Gar nicht antworten und sperren? Ich schrieb: „Danke sehr… Du bist total süß und hübsch, aber leider so gar nicht mein Typ – sorry!!!“
Der nächste Kandidat kam bereits angeflogen… (Hier geht´s zur Fortsetzung!)
© Beatrice Poschenrieder