Ich bin einfach viel zu schüchtern…

Problem: Irgendwie hab ich null Chancen, eine/n Partner/in zu finden. Ich bin so schüchtern, dass ich mich nicht mal traue, jemand anzusehen, geschweige denn anzuquatschen. Ich denke dann gleich, dass man mich sowieso nicht interessant oder unattraktiv findet… 

Antwort: Per Fern-Diagnose Tipps gegen Schüchternheit zu geben, ist schwierig – es gibt ja viele Gründe für und Formen von Schüchternheit. Der wichtigste Rat ist, denke ich, dazu zu stehen, dass man schüchtern oder zurückhaltend ist. Das ist für viele Betroffene überhaupt nicht einfach, weil sie sich nicht nur für ganz viele Eigenschaften an sich selbst schämen, sondern auch noch für ihre Schüchternheit!
Scham ist vermutlich das größte Grundproblem bei Schüchternen.
Dabei gibt es in dieser Hinsicht wirklich keinen Anlass für Scham – es betrifft ja enorm viele Leute, und außerdem kann niemand etwas dafür, wenn ihm oder ihr in der Kindheit zu wenig Selbstvertrauen mitgegeben wurde oder man zu viele Dämpfer bekommen hat! Wenn du es schaffst, deine Schüchternheit einzugestehen (oder halt einfach eine Ansage zu machen), ist das sympatisch und signalisiert anderen Leuten, dass es dir recht ist, wenn sie auf dich zugehen. Viele Schüchterne verstecken ihre Zurückhaltung ja hinter einer unsichtbaren Mauer, die von anderen oft als Kälte oder Arroganz oder Desinteresse ausgelegt wird.

Der erste Schritt ist natürlich, sich selber zu ananlysieren: Warum bin ich schüchtern? Und in welcher Hinsicht? Und dann aktiv dagegenzuwirken. Beispiele:
a) Du findest dich nicht attraktiv. Gegenmaßnahme: Du tust alles Mögliche, um dich attraktiver zu machen. Machst Sport, der deine Figur verbessert, falls du damit unzufrieden bist, legst dir eine bessere Frisur und günstigere Klamotten zu, gehst bei Hautunreinheiten zum Arzt oder zur Kosmetikerin, oder zum Zahnarzt, wenn du unschöne Zähne hast usw.
Vielleicht kommen auch deine Körpersprache und/oder dein Styling oder Outfit nicht so gut rüber. Frag am besten ein paar Freunde, ob sie dir da Hinweise geben können.
Du magst einwenden, dass da nicht viel zu machen ist, weil die Natur dich optisch benachteiligt hat. Nun: Ich kenne etliche Menschen, auf die das zutrifft. Trotzdem haben sie beim anderen Geschlecht mächtig Erfolg. Ihr Geheimnis? Sie holen das Beste aus sich raus, auch äußerlich, sie haben keine Angst, offen auf Leute zuzugehen, sie haben einen guten Humor und können auch über sich selber lachen, und sie sind charmant, geben jedem das Gefühl, liebenswert zu sein.
Möglicherweise hast du eine negative Ausstrahlung, eine Mischung aus Pessimismus und „Sich-selber-nicht-leiden-können“.

b) Irgendjemand hat dir eingeflößt, dass du nichts wert oder nicht liebenswert bist. Du musst dir immer wieder klarmachen, dass das eine Fremdeinschätzung war und dass es viel mehr drauf ankommt, dass du dich selber wertschätzst. Du hast sicher etliche positive Seiten, für die du dich wertschätzen kannst, und du kannst selber dafür sorgen, dass es noch mehr werden. Bemühe dich darum, dich in einem oder mehreren Bereichen zu verbessern, sodass du stolz auf dich selbst sein kannst und auch von anderen mehr Anerkennung bekommst.

c) Du hast Probleme damit, auf andere zuzugehen. Dahinter steckt, dass du verletzlich bist und Angst vor Ablehnung hast, und mit der schüchternen Zurückhaltung versucht deine Seele sich davor zu schützen. Von daher hat sie auch was Gutes, jedenfalls für deine momentane Seelenlage. Wenn man sich etwas traut, z.B. Kontakt knüpfen oder Leute um was bitten, dann besteht ja immer die Gefahr der Zurückweisung. Wichtig ist, dass man lernt, das nicht persönlich zu nehmen. Hast du als Kind sehr oft Bestrafungen oder Ablehnung geerntet, wenn du was nicht richtig gemacht hast? Falls ja, dann gilt es jetzt, das zu verlernen. Du bist ja kein Kind mehr.

Rückschläge werden von zu wenig selbstbewussten Menschen oft als Bestätigung der eigenen Unfähigkeit empfunden, dabei würde man das bei anderen vermutlich gar nicht so sehen! Sondern man kann sie auch als Herausforderung betrachten. Hierbei ist es wichtig, das Ziel in kleine Schritte oder kleine Ziele aufzuteilen und eins nach dem anderen anzugehen. Das hat man zwar schon oft gehört und gelesen, aber vergisst es auch schnell mal, wenn man zum Beispiel drin ist in der typischen Selbstkritik- und Ich-muss-mich-endlich-ändern-Schiene. “Ich muss endlich mal selbstbewusster werden” oder “Ich muss jetzt mal offensiver auf Frauen / Männer zugehen”, diese Ziele ist viel zu groß und zu pauschal.
Man kann auch damit anfangen, fremden Leuten im Bus in die Augen zu schauen, oder mit Leuten ins Gespräch zu kommen, wo´s nix macht, wenn sie doof reagieren (etwa der Mann vom Zeitungskiosk, die ältere Dame im Supermarkt). Ich selber merke immer wieder: Wenn man freundlich auf Leute zugeht und ihnen was Nettes sagt, kriegt man fast immer Freundlichkeit zurück. Und die, die nicht freundlich sind, haben eben entweder grade einen schlechten Tag oder sind einfach generell beknackt, und dann können sie mir sowieso egal sein.

Das waren jetzt natürlich nur ganz wenig Anhaltspunkte. Im Grunde wäre es besser, du beschäftigst dich intensiv damit, indem du dir ein paar Bücher zu dem Thema besorgst oder dich coachen lässt.
Eine Menge Tipps und Anregungen findest du auch in vielen anderen Beiträgen von mir.
© Beatrice Poschenrieder

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