Schräge Dates: Der Jägermeister

Hier noch eine Geschichte aus meinen aktiven Dating-Zeiten, wo frau nur den Kopf schütteln kann, wie schräg manche Männer drauf sind…

Beim Besuch in der Bar wollte sie nicht unbedingt von ihm angefasst werden

Seufz: Wieder so ein junger Kerl, der mich anschrieb, wie begeistert er von meinem Profil sei und dass ich ihn unbedingt treffen müsse. Wie üblich, antwortete ich: „Ich suche Männer in meiner Altersklasse, sorry“. Einige dieser Jünglinge lassen trotzdem nicht locker, er auch: „Das Alter spielt für mich keine Rolle, ich mag auch ältere Frauen, entscheidend ist doch, dass ich dich toll finde, oder?“
Meistens antwortete ich dann nicht mehr; aber G. ließ nicht locker, und das auf eine nette und erfrischende Art, und er war optisch voll mein Typ. Er fand, wir hätten doch nichts zu verlieren, wenn wir einfach einen Kaffee oder Drink zusammen nehmen, und ich fand, er hatte Recht. Oder sollte einen dieses Hartnäckige nicht bereits ein wenig warnen? Vielleicht schon…

G. und ich waren eigentlich am/im „Hangar 49“ verabredet, einer Musik-Location in Berlin-Mitte, aber offenbar hatte er sich weder die Adresse notiert, die ich ihm gemailt hatte, noch den Weg dorthin gegoogelt, denn er rief mich vom S-Bahnhof aus an, er wisse nicht, wo er hin müsse. Da ich längt da war und er meine Beschreibung nicht kapierte, marschierte ich wieder los, ihn abholen. Insofern war ich bei der ersten Begegnung recht zurückhaltend, er jedoch begrüßte mich überschwänglich mit einer herzhaften Umarmung und je einem dicken Schmatz auf beide Wangen. Eigentlich wieder ein kleines Warnzeichen, nämlich dass derjenige nicht gut Körpersprache lesen kann (etwas, was ja die meisten Menschen intuitiv drauf haben) oder sie übersieht, aber ich bin ja auch nicht drauf aus, bei jemandem ständig nach Warnzeichen zu schauen; ich fand´s nur ein bisschen übertrieben, aber was soll´s, besser als unterkühlt.

Auf dem Weg zum Hangar 49 fragte er mich, ob ich etwas trinken wolle, und holte einen Flachmann aus seiner Tasche. „Jägermeister“, sagte er, „den mag ich.“ Ich schüttelte den Kopf, und er leerte das Ding in drei Zügen. Für manche Frauen wäre das gewiss schon ein Grund zu gehen; ich blieb, zugegebenermaßen, weil er mir auch live optisch gut gefiel. Ich hielt ihn für einen Spanier, Portugiesen oder Südamerikaner, erfuhr nun aber, dass er ursprünglich aus der Türkei kam und seit 10 Jahren in Berlin lebt.
An der Location angekommen, holten wir uns Wein, setzten uns auf ein Sofa – er sich so nah zu mir, dass sein Bein der ganzen Länge nach an meinem klebte. Ich rückte ein wenig ab, prostete ihm zu, er mir, und schwupp! rückte er wieder auf.
Männer! Lest die Signale! Sie weisen euch den Weg: Vorwärts, stopp oder zurück auf Los.
Wenn ein Mann vorwitzig ist, kommt das ja bei den meisten Frauen ganz gut an, aber NUR falls es gepaart ist mit der Fähigkeit, die Körpersprache einer Frau zu erfassen. G. hatte das leider nicht so drauf. Kaum hatte ich meinen Schluck Wein genommen, legte er den Arm um mich. Ich spürte einen Moment lang in mich hinein, ob ich ihn da haben wollte, und zog die Schultern etwas nach unten und von ihm weg, um ihm klar zu machen, dass mir das zu viel war, denn wie fast jeder Mensch gehe ich automatisch davon aus, dass jemand so eine deutliche Körpersprache versteht, noch nicht raffend, dass G´s Drang nach Körperkontakt deutlich größer war als seine Kenntnis oder Akzeptanz nonverbaler Kommunikation und Regeln. Dementsprechend verstärkte er seinen Griff, zog mich wieder an sich heran und – setzte an, mich zu küssen.

Fortsetzung im nächsten Blog-Beitrag!

© Beatrice Poschenrieder