Schräge Dates: Der Kontrolleur

Ein paar Typen fehlen in meinem Buch «Mister Aussichtslos: 12 Männertypen, die Sie sich sparen können», wie „Der notorisch Eifersüchtige“, „Der Gewalttätige“ und „Der Kontrolleur“, weil der Verlag es damals auf 12 begrenzen wollte. Heute erzähle ich euch vom Dating mit einem Kontrollfreak, was bereits beim ersten Treffen sichtbar wurde (ist nicht immer so!).

er will mich kontrollieren, er kontrolliert mich
Der Kontrolleur will alles im Griff haben, sogar die Fliege an der Wand

Zuerst einmal: Was meine ich damit? Jemanden, der in einem oder mehreren Bereichen den ständigen und starken Drang hat, die Kontrolle inne zu haben. Beim einen ist es fast jeder Bereich, egal ob Haushalt, Arbeit, soziales Umfeld, Partnerschaft, Sex usw.. Beim anderen ist es überwiegend ein Bereich, etwa dass er die komplette Kontrolle über seine Partnerschaft und seine Partnerin haben will (das sind u.a. Menschen, die schon in der frühen Kindheit die ganz tiefgehende Erfahrung machen mussten, dass sie von engen Bezugspersonen immer wieder Übles zu befürchten haben, diesen also nicht vertrauen dürfen, und dass, wenn man nicht die Kontrolle inne hat, man Gefahr läuft, ihnen auf Gedeih und Verderb ausgeliefert zu sein).

Also nun zu besagtem Date, das schon Jahre zurückliegt, aber mir noch frisch im Gedächtnis ist.
Ein recht attraktiver Mann Anfang 50, der mir auf dem Foto einen Tick zu akkurat aussah (was soll´s), besuchte mein Profil mehrmals, schrieb mich dann sehr freundlich und höflich an, äußerte ein paar Beobachtungen, was mein Profil betraf – offenbar hatte er es ausführlich studiert – und bat um Kennenlernen. Nennen wir ihn Udo. Wir telefonierten relativ bald, dabei stellte sich heraus, dass er beruflich selbständig und offenbar sehr erfolgreich war, aber schon drei Ehen hinter sich hatte (oder waren es sogar vier?). Warum alle zerbrachen, verriet er nicht, sondern nur dass seine jetzige Ex noch mit ihm unter einem Dach leben würde, weil sie zu schwach und zu unselbständig sei, um sich eine eigene Wohnung zu suchen. Es habe bei ihnen einige Reibereien gegeben in Punkto Akzeptanz, sie habe eine zu enge Bindung zu ihrer Mutter, was er nicht eingesehen hätte. Ich dachte mir noch nicht viel dabei, fragte ihn allerdings, warum er denn immer wieder heiratete, obwohl er damit schon mehrmals gescheitert war; er erwiderte: „Ich hab´s gern sicher.“
Udo stellte mir eine Menge Fragen, die ich treuherzig beantwortete.
Wir trafen uns dann in einem schönen Esslokal und er gab sich Gentleman-like, doch was mir auffiel, war eine leichte Steifigkeit in seiner Körpersprache und eine gewisse Strenge im Gesicht und in den Augen, mit denen er mich von Beginn an zu viel und zu scharf fixierte.
Wir bestellten zu essen und er machte Bemerkungen wie, „Ach, du zierliche Person wirst doch nicht so eine üppige Mahlzeit bestellen?“ (es war Winter und ich hatte Lust auf Gänsebraten mit Knödeln) und dann, „Wie, das alles willst du essen? So eine kleine Frau isst doch eher kleine Portionen…“ (von wegen!!).
Hm.
Dann sagte er noch, dass er zur Vorbereitung dieses Treffens die Fotos und Texte in meinem Profil nochmals sehr genau unter die Lupe genommen habe, denn er müsse ja wissen, mit wem er es zu tun habe.
Ich begann mich unwohl zu fühlen.
Nach dem Essen erzählte er, als wär´s das Normalste der Welt, dass er vor unserem Treffen beträchtliche Zeit darin investiert hatte, mich zu googeln, und Heureka! er war fündig geworden!
War er eigentlich nicht – dachte er nur. Man muss dazu wissen, dass ich auf der Singlebörse fast nie meinen ersten (offiziellen) Vornamen nannte, weil man mich anhand dessen sehr leicht googeln kann; sondern ich nannte meinen zweiten Vornamen, unter dem ich im Internet nicht zu finden bin, sagen wir mal, X. Udo hatte beim Telefonieren gefragt, was ich beruflich mache, ich sagte nur, „Autorin“, er wollte es genauer wissen, er würde es eh übers Internet rausfinden, ich bat ihn, das nicht zu tun, da ich als Privatperson kennengelernt werden wollte und nicht beruflich.
Und nun, Face to Face, sagte er triumphierend, er habe mich im Netz gefunden: „Du bist die Autorin X.Y.!“
Ich verneinte lachend, aber das wollte er mir nicht glauben. „Doch, du bist das! Auf deiner Webseite siehst du zwar ein bisschen anders aus, aber das ist wohl ein älteres Bild.“
Er war sich so sicher, weil: „Als ehemaliger Zahntechniker weiß ich, wie man Personen identifiziert: Ich habe deine Fotos auf der Singlebörse auf meinen Rechner gezogen, das Foto in deiner Webseite auch, und dann habe ich dein Gesicht und deine Kieferbreite genau vermessen und verglichen. Dann wusste ich, du bist die X.Y.!“
Mir wurde das Ganze nun ziemlich unheimlich, und während ich angestrengt drüber nachdachte, wie ich aus der Nummer herauskam, plauderte er weiter über seine Funde:
„Ich muss allerdings sagen, ich hab ja ein bisschen in deine Bücher reingelesen, also die sind ja nicht ganz mein Ding. Aber dafür wohnst du ganz schön. Ich hab´s mir bei Google Earth angesehen.“
Hui, dachte ich, ein Glück, dass er meinen wahren Namen nicht kennt.
Ich sagte, dass die Gans mir übelst im Bauch rumorte und er nicht böse sein solle, wenn ich mich zurückzog. Logischerweise wollte er mich noch nach Hause fahren. Oh Man.
Einen Kontrolleur erkennst du manchmal daran, dass er dich viel öfter als andere in Situationen bringt, wo du dich durch Ausreden herauswinden musst. Meist weißt du nämlich instinktiv, dass er unangenehm reagieren wird, wenn du einfach die Wahrheit sagst, so wie ich schließlich damit herausrückte. Als er mich am nächsten Tag zweimal anrief (ich ging nicht ran) und dann simste, dass er sich durchaus eine Verbindung zwischen uns vorstellen könne und mich unbedingt bald wiedersehen wolle, sagte ich ihm, dass ich die Nummer mit dem Ausspionieren und der Gesichtsvermessung ein bisschen gruselig fand… Und dann stellen solche Menschen dich hin, als wärest DU verkehrt.

Eine weitere Geschichte und woran du Kontrolleure sonst noch erkennst, gibt´s im nächsten Blog-Beitrag!
© Beatrice Poschenrieder
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