Werden Beziehungen heute zu schnell weggeworfen? Kommentar Nr. 3

psychische Störungen gehören in Behandlung, nicht in die Partnerschaft
Viele bräuchten eine Therapie, aber verstecken ihre Störungen lieber hinter einer Fassade

Hier ein weiterer interessanter Kommentar zu meinem Beitrag «Werden Beziehungen heute zu schnell weggeworfen?» von Thomas (44):
«Generell ist heute alles sehr schnelllebig, jeder ist überall und jederzeit austauschbar. Äußere Rahmenbedingungen, die früher existenziell waren und die Beziehungen aufrechterhalten haben (z.B. man musste sich zusammenraufen, gemeinsam schwere Zeiten überwinden wie z.B. Krieg, finanzielle Not), waren manchmal nicht so schlecht… Heute ist das alles weg, jeder darf alles. Jeder darf seinen Individualismuss grenzenlos leben, ich denke, das ist nicht die ideale Basis für eine Paarbeziehung. Wir züchten überall Narzissten heran, die in ihrer Scheinidentität leben.
Oft werden Partner gesucht und Beziehungen eingegangen, um eigene Defizite zu überbrücken (z.B. nicht mehr alleine zu sein oder um sich überlegen zu fühlen), aber wer in sich leer ist, bleibt es auch mit Partner – der zeigt es einem nur noch direkter. Solange die körperliche Anziehung noch akut ist, treten diese Probleme in den Hintergrund, aber sie kommen alle wieder.
Ich vermute, es gründen sich viele feste Beziehungen heute auf der Grundlage falscher Motive/ Motivationen.
Aus meiner Sicht geht es bei sehr vielen nicht funktionierenden Partnerschaften sehr oft gar nicht so um Paartherapie (also darum, das Miteinander zu verbessern), sondern die Therapie müsste am Individuum stattfinden. Und zwar weil eben viele schon Eigenschaften und seelische Probleme in die Partnerschaft mitbringen, die dann für Störungen, Verletzungen, Missstimmung und dergleichen sorgen. Man betrachte nur mal sehr verbreitete Störungen wie starke Eifersucht und Verlustangst, Depressionen, Süchte oder Minderwertigkeitskomplexe – sowas stellt für den Partner eine zu große Belastung dar. Aber das sind oft Baustellen, an die die Betroffenen nicht rangehen möchten; viele wissen um ihre Unzulänglichkeiten, aber kaschieren sie gut mit Hobbys und viel Make-up-Ersatz oder anderem. Manche belasten ihr Leben lang andere, vor allem den Partner, mit ihren Problemen, oder wandern von einer Beziehung in die nächste, statt bei sich selbst ans Eingemachte zu gehen.
Manch einer möchte nur geliebt werden, weil in seinem Gefühlsleben hier ein großer Mangel besteht, und um das Lieben geht es ihm nicht wirklich; manch einer möchte nur nicht alleine sein. Aber all dies kann ein Partner nicht leisten und das führt zu Frust; die Beziehung wird dann beendet, wenn man an dem Punkt ist, dass man das Gewünschte nicht leisten kann oder nicht bekommt. Und das heißt auch: die Beziehung hatte nie eine echte Basis.
Anders gesagt: Man kann nur lieben, wenn man sich selbst liebt; das bedeutet auch, sich gut um sich selbst zu kümmern und gegebenenfalls an sich zu arbeiten.»

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