Abfuhr bekommen? Schau der Wahrheit ins Gesicht (neue Version)

Ich hab euch ja vor 9 Tagen so eine typische Datingfrust-Geschichte erzählt, wo anfangs alles in Richtung Verlieben zu laufen schien, doch nach dem ersten Sex war er eher ein Hase auf der Flucht, was die Zurückgelassene in einen ausgedehnten „Werde ich je den Richtigen finden???“-Blues versetzte.
Ich hab das auch schon öfter erlebt. Nachdem ich mich dann immer tagelang mit Grübeleien herumgeschlagen hatte wie „Habe ich etwas falsch gemacht? Hab ich ihn durch zu viel Reden über XY eingeschüchtert? War ich zu voreilig mit Z? Ist irgendwas von den alten Macken durchgekommen, mit denen ich früher so manchen vertrieben habe?“, erkannte ich irgendwann vor ein paar Jahren: Es gibt nur einen, der mir all diese Fragen eindeutig beantworten kann – er selbst.

Er zieht sich zurück und ich weiß nicht warum
Warum will er mich nicht mehr? Was habe ich falsch gemacht?

Also traute ich mich damals, trotz all des Abstandes, auf den er mittlerweile gegangen war, ihn um ein Treffen zu bitten, damit ich ihn direkt fragen konnte. Ich simste ihm, dass ich kurz mit ihm ein Problem besprechen wollte, was mich selbst betraf, und er sagte zu.
„Traute mich“ insofern, als sehr viele sich das nicht trauen, weil bei so einer direkten Konfrontation etwas herauskommen kann, was für einen unangenehm ist. Es ist aber besser, das in Kauf zu nehmen, denn wenn man nicht nachhakt, quält man sich entweder weiter mit Selbstzweifeln und dem Schmerz der Zurückweisung herum, oder man erkennt immer noch zu wenig die eigenen ungünstigen Verhaltensweisen, mit denen man seine Kandidaten/innen in den Rückzug treibt.
Übrigens ist das Risiko, dass man dann etwas Unschönes gesagt bekommt, wesentlich höher, wenn man seine Sicht und seine Fragen angreifend/ vorwurfsvoll/ sarkastisch vorträgt! Auf Angriffe und Unterstellungen wirst du immer nur negative Reaktionen kriegen, selbst wenn der Rückzug deines Kandidaten wenig mit dir zu tun hatte.
Da ich diesen Fehler in jungen Jahren zu häufig gemacht hatte, vermied ich jetzt im Gespräch mit ihm alles, was nach Vorwurf hätte klingen können, und redete einfach nur davon, dass mich die Entwicklung unserer Verbindung traurig machte, verwirrte und in Selbstzweifel stürzte.
Zu meiner Erleichterung bestätigte er alles, was ich gespürt hatte: Am Anfang war er mir zugewandt gewesen und hatte Lust, mir näher zu kommen und verbindlich zu sein, aber mit der Bettpremiere (die auch aus seiner Sicht sehr gut war) bekam das Ganze für ihn eine neue Dimension: jetzt wird´s ernst! In den Minuten, wo er still da lag und an die Decke starrte: da habe er überlegt, ob er ab jetzt noch verbindlicher mit mir sein wollte, und sein Inneres habe zu „nein“ tendiert.
Ich fragte ihn, ob es an mir lag, an meinem Verhalten. „Nein“, sagte er, „das Zusammensein mit dir finde ich immer sehr angenehm. Aber das Blöde ist, dass ich ab einem bestimmten Punkt immer alle Frauen mit einer bestimmten Frau vergleiche, in die ich seit langem verliebt bin. Und an sie kommt – zumindest nach meinem subjektiven Empfinden – einfach keine ran.“
Das war zwar auch nicht schön zu hören, aber es war viel besser, als dauernd zu denken, „der Arsch hat mir nur was vorgemacht!!“ oder „ich werde nie einen kriegen, weil ich irgendwie total verkehrt bin“.
Nachdem er und ich das geklärt hatten, sagte er, dass er wirklich gerne mit mir befreundet wäre, und damit bin ich nun vollkommen zufrieden und versöhnt.
Fazit: Wenn jemand, in den du verliebt bist, sich von dir zurückzieht, dann verleg dich weder auf die Opferrolle noch auf Schuldzuweisung oder Selbstzerfleischung. Das bringt nämlich keinen weiter, weder dich noch deinen Ex-Augenstern. Halt entweder geduldig die Füße still, oder hak nach.
© Beatrice Poschenrieder

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