Angeblich schwer verliebt, aber nie ein Telefonat/ Treffen…?

Wo wir schon beim Thema „Fake-Profile“ sind – hier eine Geschichte von dem 22jährigen Henner, der sich an meine Emailberatung wandte:
«Ich sollte vorausschicken, dass ich noch nie eine richtige Beziehung mit einer Frau hatte und darum auch immer dachte, dass ich nicht wirklich sonderlich anziehend auf Frauen wirke. Jedoch als ich mich vor gut anderthalb Jahren auf einer Singlebörse anmeldete, hat sich recht schnell ein 20jähriges Mädel gemeldet und zu meiner großen Überraschung schrieb sie auch, dass ich „ihr Typ“ sei.
Nach vielen Mails hat sich dann herausgestellt, dass es sich um die Ex-Freundin von einem Kollegen von mir handelt namens Sara. Ich hab mich dann mit diesem kurz geschlossen und er hat mir mehrere Sachen über sie erzählt, zum Beispiel dass sie sehr nett und zuverlässig sei und dazu auch noch bildhübsch.
Natürlich wollte ich sie näher kennenlernen und sie mal sehen. Wir haben mehrere Treffen vereinbart, doch alle sind geplatzt, weil sie einfach nicht gekommen ist. Ich habe mich dann noch ein paarmal an meinen Kollegen gewandt, der mittlerweile zu einem meiner besten Freunde geworden ist und ich ihm somit alles glaube, und ihn gefragt, was ich denn tun soll und ob es Sara denn wirklich ernst meine usw. Das Problem war nämlich, dass ich mit ihr nur über SMS kommunizieren konnte und sonst gar nicht, weil sie nicht telefonieren wollte, weil sie angeblich nicht den Mut dazu hat.
So hat dann mein Kollege ein paarmal mit ihr telefoniert und sie hat dann auch immer beteuert, sie sei verliebt in mich und sie will mich unbedingt. Man muss dazu sagen, dass sie einer sehr zeitintensiven Arbeit nachgeht, die es ihr dann sehr häufig nicht möglich macht, zu normalen Zeiten Feierabend zu machen. Nach jedem “missglückten” Treffen hat sie mir dann über meinen Kollegen einen Liebesbrief zukommen lassen, in dem sie im Endeffekt genau das geschrieben hat, was sie zu ihm immer am Telefon gesagt hat und auch, dass sie zugebe, dass sie zu einem Treffen mit mir immer zu feige war. Und das Ganze war dann immer ausgeschmückt mit irgendwelchen Parfüms und Rosenblättern u.ä..


Inzwischen hat sie es immerhin mal geschafft, mir ein Foto von sich zukommen zu lassen, das zwar von der Qualität her nicht sonderlich gut war, aber ich fand die Frau auf dem Foto einfach zu schön, um wahr zu sein. Natürlich war ich anfangs skeptisch, ob sie es denn wirklich ist, aber mein Kollege hat mir das bestätigt.
Das Ganze zog sich ein Dreivierteljahr hin. Da hat es dann das Schicksal das erste Mal wirklich nicht gut mit uns gemeint. Es hat sie im Büro umgehauen, sie war dann lange im Krankenhaus und auch kurz im Koma und keiner der Ärzte hat gewusst warum, so wie ich das ganze verstanden hab. Bei den Arbeitszeiten, die sie hat, ist das aber auch kein Wunder, dass der Körper dann irgendwann nicht mehr mitspielt. Einen Monat später war sie dann wieder draußen aus dem Krankenhaus und es ging noch bis ein paar Monate so weiter wie davor: SMS, E-Mails und ein paar gescheiterte Treffen.
Warum ich immer noch nicht gesagt hab, sie kann mich mal kreuzweise, kann ich dir nicht genau sagen. Wahrscheinlich zum Teil, weil ich Angst habe, dass es auf lange Zeit meine einzige Möglichkeit auf eine Freundin ist, oder weil eben mein Kollege mich immer wieder dazu überredet hat nicht aufzugeben, weil sie wirklich an mir interessiert sei und sie sich erstens nicht traut mich zu treffen und zweitens so viel Arbeit hat, dass sie es teilweise sehr schwierig hat. Am Wochenende ist es auch meist schwierig, weil ich da nur abends und nachts Zeit habe. Urlaub nehmen oder an Feiertagen treffen haben wir auch alles versucht, aber dann war da plötzlich wieder eine Feier wegen ihrer Abschlussprüfung oder sonst irgendwas oder sie musste wieder auf Geschäftsreisen oder weiß der Geier wohin. Nicht dass sie die nicht gehabt hätte, aber ich hab mir halt gedacht, dass müsste man auch ein bisschen früher wissen und nicht erst einen Tag davor oder am selben Tag und auch was ihr denn wichtiger sei, wenn sie schon sagt, dass sie mich so über alles liebt, da könnte man doch einmal was absagen, damit man sich wenigstens einmal sehen kann.
Vor sechs, sieben Wochen hat sie dann endlich zugestimmt, dass wir die Kommunikation doch endlich mal aufs Telefon verlegen könnten. Nun, das gestaltete sich dann aber auch ungeahnt schwierig. So viel vorweg: Es kam bis heute zu keinem Telefonat.
Naja, dann meinte es das Schicksal ein weiteres Mal nicht gerade gut mit uns. Wir hatten endlich mal wieder ein echtes Treffen abgemacht und zwei Tage vorher, wo sie mir auch versichert hat, dass es dieses mal klappen werde, ist dann ihre Mutter gestorben. Es war zum Haare raufen. Dass sie da dann nicht konnte, kann ich absolut verstehen, aber trotzdem ist es einfach blöd. Naja, dann war ich in Urlaub und seit ich wieder hier bin, musste sie zweimal auf mehrtägige Geschäftsreisen und hatte kaum Zeit sich bei mir zu melden.


Was ich jetzt eigentlich von dir wissen möchte: Was soll ich tun?? Soll ich weiter versuchen, dass das was mit ihr und mir wird?? Ich glaube meinem Kollegen wirklich alles, wenn er sagt, dass er glaubt, dass sie es wirklich ernst meint. Nur er fügt halt auch immer hinzu, dass er sie nur so beurteilen könne, wie er sie kenne. Und so wie sie sich im Moment verhält, kennt er sie eigentlich nicht. Aber er meint, es spricht halt auch für sie, dass sie bei den Telefonaten, die die beiden geführt haben, schon des Öfteren geweint hat und fix und fertig war, weil sie nach ihrer Meinung zu blöd sei, es mit mir auf die Reihe zu kriegen. Naja…. Was soll ich denn von der ganzen Geschichte halten?»

Krass, oder? Krass, dass Henner sich dermaßen verarschen lässt, und noch krasser, was sein Kollege da für ein böses Spielchen mit ihm treibt.
Na klar ist es der Kollege. Er kennt Henner sehr gut und weiß genau, wann er die Absagen und “vergeblichen” Anrufe von “Sara” timen muss. (Eine Frau, die wirklich in ihn verliebt ist, hätte sich eh schon nach kurzer Zeit mit ihm getroffen, oder falls das Treffen nicht gleich klappt, vorher schon mehrmals telefoniert, selbst wenn sie einen Sprachfehler hat und nervös ist.)
Warum der Kollege das macht, weiß ich nicht – vielleicht tut Henner ihm leid, da er noch nie eine Freundin hatte, vielleicht findet er es witzig oder macht sich sogar mit ein paar anderen Kollegen einen Spaß und sie lachen sich heimlich kaputt… Letztendlich ist es extrem gemein, ja geradezu kriminell.
Henner sollte nicht nur endlich mal kapieren, dass „Sara“ eine reine Phantasiegestalt ist, sondern auch mal Detektiv spielen und versuchen, rauszufinden, warum sein Kollege anderthalb Jahre lang Zeit, Gedanken und Mühe investiert, diesen armen Tropf dermaßen anlügt und ihm auch noch Freundschaft vorgaukelt.
© Beatrice Poschenrieder

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.