Fake-Profile: So wirst du ausgenommen

Dass ab und zu in Singlebörsen Fakeprofile auftauchen, wo ein attraktiver Mensch (weiblich oder männlich) gleich seine Handynummer hergibt und dann via SMS deine Gebührenrechnung explodiert: Davon habe ich schon berichtet („Abzocke über Flirt…“). Es gibt aber auch viel heftigere Formen, einsame und beziehungswillige Leute auszunehmen. Männer sind davon weit häufiger betroffen als Frauen, weil sie offenbar leichtere und zahlungswilligere Opfer sind.

Ein Bekannter von mir meldete sich vor einiger Zeit auf einem Portal an, wo man angeblich Kontakte zu Frauen in ganz Europa und noch ferneren Regionen knüpfen konnte. Er war erstaunt und geplättet über die riesige Anzahl wunderhübscher Frauen, die nichts weiter wollten als einen lieben, bindungswilligen Mann. Am meisten angetan war er von der 30jährigen Natalia, einer dunkelhaarigen, hellhäutigen Schönheit mit Bombenfigur. Sie schrieb ihm bezaubernde Mails in gebrochenem Englisch. Blöderweise lebte die Schöne in der Ukraine und hatte zwei kleine Söhne. Offenbar hatte das Schicksal es arg böse mit ihr gemeint: Ihr Mann war vor zwei Jahren tödlich verunglückt und hatte ihr nichts hinterlassen, nicht einmal ein Häuschen oder eine Wohnung oder ein Auto, ihre Eltern waren ebenfalls tot, und nun lebte die arme Natalia mit ihren Kids in einer Notunterkunft in unzumutbaren Verhältnissen und musste zwei Jobs gleichzeitig machen, um alle über Wasser zu halten, denn zu allem Unglück war auch noch einer ihrer Söhne behindert und kostete daher weit mehr als ein gesundes Kind. Und so weiter und so weiter.
Was ich ein bisschen seltsam fand: Wieso kann sich jemand, der in einer Notunterkunft lebt und angeblich NICHTS hat (NICHTS!), ein Handy und einen Computer leisten? Und wie kriegt man in einer Notunterkunft für seinen Computer Internet-Anschluss? (Ins Internet-Café ging sie nicht, denn sie schickte ihm zu jeder Tages- und Nachtzeit Emails.) Und wie kann so eine Frau auf allen Fotos aussehen wie aus dem Ei gepellt: Make-Up und Haare schön zurechtgemacht, schicke Klamotten…?

Meinem Bekannten kam das nicht so komisch vor: „Sie ist halt eine Überlebenskünstlerin!“
Was soll ich euch sagen: Sie hat es immer wieder geschafft, ihm Geld aus der Tasche zu leiern – insgesamt fast 38.000 Euro. Er schickte Geld für eine „richtige“ Wohnung und deren Einrichtung; für warme Winterkleidung („die Kinder und ich so frieren… ist immer so sehr kalt!“); für die Versorgung des behinderten Kindes; für ein Auto, weil die Ärmste sonst acht bis zehn Kilometer am Tag zwischen Wohnung und ihren zwei Jobs und der Schule der Kinder zu Fuß zurücklegen musste (zu Fuß! mit „alte Schuhe wo ist Sohle kaput“); für gesünderes Essen und so weiter und so weiter.
Die Frau auf den Fotos gab es wirklich, denn die beiden trafen sich mal für anderthalb Tage – allerdings nicht in ihrem Wohnort, sondern in einem Hotel in Kiew (selbstredend bezahlte er alles). Das war relativ am Anfang, als er erst wenig Geld geschickt hatte. Nach dem Date (Sex inklusive) war er Feuer und Flamme, Herz und Geldbeutel standen weit offen. Zu weiteren Treffen kam es allerdings nicht, ihre Ausreden waren sehr phantasievoll und der verliebte Narr glaubte ihr, bis sie ihn darum bat, dass er ihr eine Eigentumswohnung kaufen möge – für “billige” 35.000 Euro, was ihm dann insgesamt eher teuer vorkam. Stattdessen beauftragte er einen Detektiv, und der fand raus, dass der Ehemann der Schönen noch putzmunter war, mit ihr zusammenlebte, Kinder gab es keine und vermutlich arbeitete sie für einen Ring, der sich darauf spezialisiert hat, gutgläubige Europäer auszunehmen, die meinen, dass die Liebe mit ukrainischen, russischen, asiatischen, … Frauen besser klappen würde.
In der nächsten Folge erzähle ich euch, was ein Freund von mir in dieser Hinsicht auf einem ganz normalen deutschen Singleportal erlebte…

Fazit: Wenn eine Person, von der du gleich denkst, „die ist ja viel zu schön, um wahr zu sein“, es dir überaus leicht macht, dann schalte ab und zu noch deinen Verstand ein… oder hör wenigstens auf deine Freunde.
© Beatrice Poschenrieder