Funktioniert „Freundschaft plus“? Für Frauen eher nicht…

Aufgrund der Erfahrungen von Freundinnen, Klientinnen und meiner selbst beschleicht mich der Eindruck, als ob die meisten interessanten Männer über 40 nurmehr lockere Verbindungen zu Frauen anstreben (zumindest in Städten wie Berlin, die einem Single ständig Nachschub liefern). Seit der Trennung von meinem letzten begegnete ich auffällig vielen Männern, die Fans von “Freundschaft plus” sind: etwa M., dessen letzte Verbindung zu einer Frau in genau dieser Form bestand, über zwei Jahre lang. Das sei auch sehr schön und nett gewesen und wäre sicher noch eine Weile gelaufen, aber er habe immer mehr mitgekriegt, dass sie eigentlich „mehr“ von ihm wollte, und als sie dann Andeutungen machte in Richtung Kinderkriegen, sei er sofort aufgesprungen und abgehauen.

Der nächste, T., erzählte mir gleich zum ersten Treffen, es gebe da eine Conny, mit der er ab und zu was zu laufen habe; sie sei auch eine, die sehr schnell mit einem Mann ins Bett hüpfe. Er habe das Gefühl, das täte sie weniger aus Sexlust denn mehr, weil sie hungrig nach Liebe sei. Auch mir gegenüber verhielt T. sich sehr unverbindlich.
R. wiederum sagte mir nach dem ersten Date am Telefon, seine längste „Beziehung“ sei mit einer Frau gewesen, die er nur so alle 7-10 Tage gesehen habe, und genau deswegen habe es zwei Jahre gehalten – bis sie „kompliziert“ wurde; da habe er sie dann abgeschossen. „Nur alle 7-10 Tage??“, fragte ich, „war dir das nicht zu wenig?“ – „Nein“, erwiderte er, „das ist für mich genau richtig.“ – „Eine Beziehung kann man das vielleicht nicht nennen…“, meinte ich. Er stimmte zu: „Ja, das wäre mir zu verpflichtend und zu einengend.“
Ferner traf ich noch A: Bei seinem letzten Beziehungsversuch stellte er nach 3 – 4 Monaten fest, dass er nicht verliebt sei, aber die Frau geht seitdem immer noch ab und zu mit ihm ins Bett, und er spüre, dass da immer noch ziemlich viel an Gefühlen auf ihrer Seite sei, aber sie lasse es nicht offen raus, vermutlich weil sie wisse, dass er dann einen endgültigen Cut machen würde.
Meine Freundinnen und Klientinnen berichten ähnliches.
All diese Freundschaft-plus-Frauen meinen wahrscheinlich, dass sie sich über die regelmäßige Intimität und durch besonders nettes, problemfreies Verhalten in das Herz desjenigen schleichen können und somit auch in eine Paarbeziehung.
Für einen Mann fühlt sich das (vor allem am Anfang) toll an: Mit einer attraktiven Frau schönen unbeschwerten Sex und überhaupt eine unbeschwerte Zeit zu haben, ohne Verpflichtungen und Probleme! Oh wunderbare Leichtigkeit des Seins!
Und viele Männer reden dann doch plötzlich von Liebe und/oder Beziehung – um nach kurzer Zeit, wenn die Frau in den Beziehungsmodus gegangen ist, die Vollbremsung einzulegen: „Ähm, äh, ich fühle mich doch noch nicht bereit für was Festes“ oder wie dieser Typ, der nach zwei wundervollen Monaten zu meiner Freundin sagte: „Ich glaube, du erwartest eine richtige Beziehung und alles, was dazugehört… aber ich liebe dich nicht so wie meine Ex“.

Und was tun wir dämlichen Frauen? Statt zu sagen, „okay, ciao, dann noch viel Spaß in der Unverbindlichkeit!“, rudern wir wie die Blöden und halten ihn fest mit Beteuerungen wie, „aber wir müssen doch noch gar nichts Festes haben“, „wir können es doch locker halten!“, “nein, ich habe doch gar keine fixen Erwartungen!” usw.
Klar sind die meisten Männer einverstanden. Gesetzt den Fall, sie schaffen es, die unterschwelligen Schuldgefühle zu verdrängen.
Also geben wir weiterhin regelmäßige Intimität und vermeiden Probleme (also vermeiden, „kompliziert“ zu sein), in dem Bestreben, irgendwann so unentbehrlich für ihn werden, dass er gar nicht anders kann, als uns zu lieben und was Festes zu wollen. Weit gefehlt!!!!!!!!!!!!! Das einzige, was passiert, ist, dass wir für ihn immer mehr an Wert verlieren, seine Gefühle demgemäß immer flacher werden, er sich genau das von uns nimmt, was er brauchen kann – und nebenher sucht er auf Singlebörsen weiter: Nach der Frau, die sich ihm nicht auf dem Silbertablett serviert, sondern um die er sich bemühen muss.

P.S.: Als ich T. nach 4 Wochen (und 4 Dates) sagte, dass ich ihn nicht mehr sehen wolle, weil ich zwischen den Dates das Gefühl hatte, ich existiere gar nicht für ihn, sagte er plötzlich, aber er sei doch verliebt, er wolle mich, das könne ich nicht machen… Für mich war´s aber sowas von durch. Habe NULL Lust mehr auf diesen unverbindlichen Mist.
© Beatrice Poschenrieder
„Mr.

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6 thoughts on “Funktioniert „Freundschaft plus“? Für Frauen eher nicht…

  1. Was ist eigentlich F+ ?
    Eine lockere Bettgeschichte mit jemandem, mit dem man sich auch noch ein bisschen verbal austauschen kann?
    Dann hatte ich ein paar solcher F+. Der Vorteil für mich war, dass ich mich meinerseits auch nicht verbindlich festlegen musste.

  2. Freundschaft plus (oder “F+”) bedeutet nicht nur eine lockere Bettgeschichte, sondern dass man befreundet ist und alles miteinander teilt, was Freunde eben so teilen: Ausgehen, Kochen, Essen, Spazieren, Kultur etc., und auch n bissl Sorgen und Nöte.

  3. Es ist aus statistischer Sicht nicht verwunderlich, dass der Anteil der bindungsunfähigen Singles ab einem bestimmten Alter immer weiter zunimmt. Denn diejenigen Menschen, die bindungsfähig sind und langfristige Beziehungen anstreben, befinden sich halt nur alle Jubeljahre für einen begrenzten Zeitraum auf Partnersuche. Haben sie dann jemanden gefunden, mit dem sie sich arrangieren können, stecken sie für die nächsten Jahre wieder in einer festen Beziehung. Die Bindungsunfähigen sind hingegen ständig verfügbar.

  4. Stimmt genau! Leider! Vielen Dank für diese kluge Anmerkung.
    Hast du denn einen persönlichen Rat, wie bindungswillige Singles (v.a. die im reiferen Alter) mit dieser Situation umgehen können, bzw. wie sie trotz der Mangelsituation noch jemanden für eine dauerhafte Beziehung finden können?

  5. Das ist eine gute Frage, auf die ich leider auch keine Patentlösung kenne. Ich denke schon, dass es auch in fortgeschrittenem Alter prinzipiell genug bindungswillige Menschen gibt, die gerade auf Partnersuche sind. Schließlich gehen in jeder Großstadt jährlich unzählige langfristige Beziehungen in die Brüche, bei denen zumindest einer der Partner hinreichend unter Beweis gestellt hat, dass er bindungsfähig ist. Und ich glaube auch nicht, dass die dann allesamt für immer die Nase voll haben von längerfristigen Beziehungen. Die Herausforderung besteht eher darin, diese Menschen ausfindig zu machen, ohne allzu viel Zeit mit Personen zu verschwenden, die es nicht ernst meinen.

  6. Ich pflichte dir in allem bei 🙂 außer vielleicht in einer kleinen Hinsicht, wo ich mir eine Anmerkung erlauben möchte: Sehr viele Leute denken ja, dass jemand, der in einer längeren Beziehung ist/war, seine Bindungsfähigkeit bewiesen hat – du relativierst das immerhin, indem du schreibst: “zumindest einer der Partner”. Nun, es gibt durchaus auch Beziehungen und Ehen, die fast von Anfang an dadurch gekennzeichnet sind, dass es von beiden Beteiligten (fast) keine innere Nähe gibt – ich nenne sowas “freundliche Zweckgemeinschaften”, und manchmal sind sie nicht mal freundlich. So eine „Beziehung führen ohne innere Nähe“ ist auch einer der Punkte in meinem Beitrag „13 Anzeichen von Beziehungsunfähigkeit…

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