Funktioniert „Freundschaft plus“? Für Frauen eher nicht…

Miteinander Zeit verbringen, nette Zweisamkeit, Körperkontakt, Sex – aber ohne die Verpflichtung einer festen Beziehung: Kann das gutgehen?

(Anmerkung: Freundschaft plus (oder „F+“) bedeutet nicht nur eine lockere Bettgeschichte, sondern dass man befreundet ist und alles miteinander teilt, was Freunde eben so teilen: Ausgehen, Kochen, Essen, Spazieren, Kultur etc., und natürlich auch ein bisschen Sorgen und Nöte.)

Aufgrund der Erfahrungen von Freundinnen, Klientinnen und Userinnen meiner Webseite beschleicht mich der Eindruck, als ob die meisten interessanten Männer über 40 nurmehr lockere Verbindungen zu Frauen anstreben (zumindest in Städten wie Berlin, die einem Single ständig Nachschub liefern). Nehmen wir mal Eva, 41, attraktiv, aktiv, lebenslustig, seit anderthalb Jahren solo und auf zwei ganz normalen Partnerbörsen angemeldet: Sie begegnet auffällig vielen Männern, die Fans von „Freundschaft plus“ sind: etwa M., dessen letzte Verbindung zu einer Frau in genau dieser Form bestand, über zwei Jahre lang. Das sei auch sehr schön und nett gewesen und wäre sicher noch eine Weile gelaufen, aber er habe immer mehr mitgekriegt, dass sie eigentlich „mehr“ von ihm wollte, und als sie dann Andeutungen machte in Richtung Kinderkriegen, sei er sofort aufgesprungen und abgehauen.

Der nächste, T., erzählte ihr gleich zum ersten Treffen, es gebe da eine Klara, mit der er ab und zu was zu laufen habe; Klara sei auch eine, die sehr schnell mit einem Mann ins Bett hüpfe. Er habe das Gefühl, das täte sie weniger aus Sexlust denn mehr, weil sie hungrig nach Liebe sei. Auch Eva gegenüber verhielt T. sich sehr unverbindlich.
R. wiederum sagte ihr nach dem ersten Date am Telefon, seine längste „Beziehung“ sei mit einer Frau gewesen, die er nur so alle 7-10 Tage gesehen habe, und genau deswegen habe es zwei Jahre gehalten – bis sie „kompliziert“ wurde; da habe er sie dann abgeschossen. „Nur alle 7-10 Tage??“, fragte Eva, „war dir das nicht zu wenig?“ – „Nein“, erwiderte er, „das ist für mich genau richtig.“ – „Eine Beziehung kann man das vielleicht nicht nennen…“, meinte sie. Er stimmte zu: „Ja, das wäre mir zu verpflichtend und zu einengend.“
Ferner traf Eva noch A.: Bei seinem letzten Beziehungsversuch stellte er nach 3 – 4 Monaten fest, dass er nicht verliebt sei, aber die Frau gehe seitdem immer noch ab und zu mit ihm ins Bett, und er spüre, dass da immer noch ziemlich viel an Gefühlen auf ihrer Seite sei, aber sie lasse es nicht offen raus, vermutlich weil sie wisse, dass er dann einen endgültigen Cut machen würde.
Meine Freundinnen und Klientinnen berichten ähnliches.
All diese Freundschaft-plus-Frauen meinen wahrscheinlich, dass sie sich über die regelmäßige Intimität und durch besonders nettes, problemfreies Verhalten in das Herz desjenigen schleichen können und somit auch in eine Paarbeziehung.
Für einen Mann fühlt sich das (vor allem am Anfang) toll an: Mit einer attraktiven Frau schönen unbeschwerten Sex und überhaupt eine unbeschwerte Zeit zu haben, ohne Verpflichtungen und Probleme! Oh wunderbare Leichtigkeit des Seins!
Und viele Männer reden dann doch plötzlich von Liebe und/oder Beziehung – um nach kurzer Zeit, wenn die Frau in den Beziehungsmodus gegangen ist, die Vollbremsung einzulegen: „Ähm, äh, ich fühle mich doch noch nicht bereit für was Festes“ oder wie dieser Typ, der nach zwei wundervollen Monaten zu meiner Freundin sagte: „Ich glaube, du erwartest eine richtige Beziehung und alles, was dazugehört… aber ich liebe dich nicht so wie meine Ex“.

Und was tun wir dämlichen Frauen? Statt zu sagen, „okay, ciao, dann noch viel Spaß in der Unverbindlichkeit!“, rudern wir wie die Blöden und halten ihn fest mit Beteuerungen wie, „aber wir müssen doch noch gar nichts Festes haben“, „wir können es doch locker halten!“, „nein, ich habe doch gar keine fixen Erwartungen!“ usw. (hab ich früher auch gemacht).
Klar sind die meisten Männer einverstanden. Gesetzt den Fall, sie schaffen es, die unterschwelligen Schuldgefühle zu verdrängen.
Also geben wir weiterhin regelmäßige Intimität und vermeiden Probleme (also vermeiden, „kompliziert“ zu sein), in dem Bestreben, irgendwann so unentbehrlich für ihn werden, dass er gar nicht anders kann, als uns zu lieben und was Festes zu wollen. Weit gefehlt!!!!!!!! Das einzige, was passiert, ist, dass wir für ihn immer mehr an Wert verlieren, seine Gefühle demgemäß immer flacher werden, er sich genau das von uns nimmt, was er brauchen kann – und nebenher sucht er auf Singlebörsen weiter: Nach der Frau, die sich ihm nicht auf dem Silbertablett serviert, sondern um die er sich bemühen muss.

P.S.: Als Eva T. nach 4 Wochen (und 4 Dates) sagte, dass sie ihn nicht mehr sehen wolle, weil sie zwischen den Dates das Gefühl hatte, sie existiere gar nicht für ihn, sagte er plötzlich, aber er sei doch verliebt, er wolle sie, das könne sie nicht machen…! Für Eva war´s aber sowas von durch: Keine Lust mehr auf diesen unverbindlichen Mist.

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© Beatrice Poschenrieder

One thought on “Funktioniert „Freundschaft plus“? Für Frauen eher nicht…

  1. Es ist aus statistischer Sicht nicht verwunderlich, dass der Anteil der bindungsunfähigen Singles ab einem bestimmten Alter immer weiter zunimmt. Denn diejenigen Menschen, die bindungsfähig sind und langfristige Beziehungen anstreben, befinden sich halt nur alle Jubeljahre für einen begrenzten Zeitraum auf Partnersuche. Haben sie dann jemanden gefunden, mit dem sie sich arrangieren können, stecken sie für die nächsten Jahre wieder in einer festen Beziehung. Die Bindungsunfähigen sind hingegen ständig verfügbar.

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