Warum soll ein Mann um eine Frau werben? Ist das nicht überholt?

Ein Freund von mir schrieb mir zum letzten Beitrag („Haben Männer das Werben verlernt“), das mit dem Werben wäre „Träumen in alten Rollenklischees“, weil wir ja schon seit 50 Jahren die Emanzipation hätten; vielleicht hat er meinen Text missverstanden und dachte, ich meine mit Werben, dass der Mann mit teuren Einladungen und Geschenken um sich werfen sollte und Liebeserklärungen von einem Flugzeug an den Himmel schreiben lassen muss. Oder vielleicht hat er sich noch nie so richtig um eine Frau bemüht und weiß gar nicht, wie gut sich das anfühlt. Ich hab keine Ahnung, ob er je eine glückliche Liebesbeziehung hatte, ich weiß nur, dass er seit langem keine hatte, sondern nur „Freundschaft plus“ mit Frauen, die sich sehr pflegeleicht gaben – tiefere Liebe hat das bei ihm jedenfalls nicht hervorgerufen.
Ein anderer Freund von mir brachte den lakonischen Spruch „Was, werben? Soll ich etwa mit ´ner Gitarre unter ihrem Fenster stehen und selbstgemachte Schnulzen trällern?“ Tja, von ihm WEIß ich, dass er nie um eine Frau wirbt und noch nie eine glückliche Liebesbeziehung hatte.
Mit „Werben“ meine ich einfach nur: Du zeigst einer Person, die du mit Leib und Seele begehrst, auf vielfältige Art dein Interesse; da die Person dir viel wert ist und du eine Bindung herstellen willst, gibst du einiges hinein (in erster Linie Zeit, Aufmerksamkeit, Zuwendung, Energie, Gefühle und sonstiges Engagement).

Wenn ich alle Beziehungen meines Lebens Revue passieren lasse, waren die längeren und glücklichen Partnerschaften immer mit Männern, die sich am Anfang und meist auch währenddessen gewissermaßen um mich bemühen mussten, etwa weil ich zögerlich war oder grade nichts Festes wollte oder zweifelte, ob derjenige der Richtige für mich sei. Hingegen alle Beziehungsversuche, wo ich am Anfang viel stärker engagiert war, wurden nicht zu glücklichen Liebesgeschichten – etwa weil der Mann mich schnell für selbstverständlich nahm und ich den Reiz für ihn verlor.
Praktisch alle meine Freundinnen und Bekanntinnen berichten mir dergleichen.
„Ritter“Trotz aller Emanzipation scheint es in der Natur fast aller Männer zu liegen, dass sie sich nur dann stark in eine Frau verlieben und einen nachhaltigen Bindungswunsch entwickeln, wenn die Frau in den ersten Monaten oder gar im ersten Jahr zögerlich ist oder das Erobern der Dame mit Hindernissen verbunden ist und der Mann in beiden Fällen Einsatz zeigen muss. So endete auch eine meiner letzten Bindungen damit, dass der Mann mir sagte, „ich musste einfach zu wenig um dich kämpfen“, und zu einer Frau überwechselte, die ihm zwar zugeneigt war, aber gebunden.
Ich vermute, dass die Jäger-und-Sammler-Programmierung noch ziemlich lebendig in uns steckt, wobei wohlgemerkt bei den Urmenschen eher der Mann der Jäger war und die Frau der Sammler; auch heute noch steckt der Jäger im Manne, die meisten spüren erst dann ihre männliche Kraft, wenn sie auf ein Ziel hinarbeiten. Das ist nicht nur im Beruf so, sondern auch in Sachen Liebe.
Fast alle hätten zwar gerne – offen oder insgeheim – „bedingungslose Liebe“, doch ich habe noch nie einen Mann getroffen (auch in meinem Beruf nicht), der, wenn er von einer Frau einfach so und von Anfang an bedingungslose Liebe geschenkt bekam, diese Frau dann auf Dauer liebte; und damit meine ich Paarliebe, die auch mit körperlichem Begehren und Leidenschaft verbunden ist. Denn „einfach so und von Anfang an bedingungslos geliebt zu werden“, das ist Mutterliebe. Paarliebe zwischen Erwachsenen muss aber mit Selbstliebe verbunden sein, was bedeutet, dass man seine eigenen Wünsche und Wertvorstellungen in eine Partnerschaft einbringt.
Die meisten Männer wünschen sich zum Beispiel von einer Frau größtmögliche Akzeptanz („sie soll mich so lieben und so lassen, wie ich bin, und sie soll mich das machen lassen, was mir wichtig ist“) und ein bisschen Bewunderung. Wenn aber eine Frau das einem Mann „einfach so“ gibt, ohne dass er sich ihre Bewunderung und große Akzeptanz je verdient hat, ist die Gefahr sehr hoch, dass er innerhalb der Beziehung der Pascha ist – er macht sein Ding und sie kümmert sich um die Verbindung. Viele Frauen wissen das, vor allem die, die schon mal in diese Falle getappt sind, und die, die genau das von ihren Eltern vorgelebt bekamen. Daher wünschen sich auf der Gegenseite die Frauen, dass der Mann etwas dafür tut, damit wir ihm vertrauen, ihn bewundern und ihn voll und ganz akzeptieren können. Womit wir beim Werben wären….
Wie das geht oder was du alles tun kannst, steht im nächsten Blogbeitrag!
© Beatrice Poschenrieder

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.