Schräge Dates: Der Witzbold

Heute berichte ich euch von einem Mann, der eigentlich ein sehr liebenswürdiger, nett aussehender, gepflegter, kultivierter und durchaus auch intelligenter Mann ist, aber eine komische (im wahrsten Sinne des Wortes) Eigenschaft hat, die auf mich und sicherlich viele andere Frauen abschreckenden Charakter hat…
Ich lernte W. auf einer Künstler-Kontaktbörse kennen, 54, eine sympatische jungenhafte Erscheinung, zugleich ein Gentleman; für unser erstes Date lud er mich nicht nur auf ein tolles Kunstevent ein, sondern holte mir den ganzen Abend Getränke und sorgte dafür, dass ich mich rundum wohl fühlte. Wir unterhielten uns prächtig, er war charmant, witzig, geistreich, und am Ende des Dates (das von 19 Uhr bis Mitternacht ging) fragte er mich, ob ich Lust auf ein weiteres Treffen hätte, am Samstag in 6 Tagen, dann würde er mir seinen Kiez zeigen, und obwohl ich sicherlich schon einiges davon gesehen hätte, könne er mir garantiert ein paar Sachen zeigen, die ich noch nicht kenne.

Ich war entzückt und angetan und konnte es kaum erwarten. Wie das so ist bei vielen Frauen, malte ich mir in diesen langen 6 Tagen im Geiste aus, wie es wohl wäre, mit ihm zusammen zu sein – endlich ein interessanter Mann, der viel dafür tat, die Dame seines Herzens glücklich zu machen, hach.
Als ich am besagten Samstag – auf seinen Wunsch per Fahrrad – am Treffpunkt in seinem Kiez erschien, stand er schon da mit seinem Rad, und unser privates Sightseeing ging los. Als Erstes führte er mich in eine Halle, in der Luxus-Oldtimer angeboten werden, eigentlich nicht mein Ding, aber wenn man auf jemand steht, macht ja fast alles Spaß… Kaum waren wir drin und bewunderten die vorderen hochglänzenden Karossen, sagte er mit ernstem Gesicht: „Such dir einfach einen aus, ich kauf ihn dir.“
Auf der Fahrt ins Glück Ich brauchte ein paar Sekunden, um zu kapieren, dass er spaßte, und lachte. Wir schlenderten weiter, diskutierten, welcher der Wagen uns am besten gefallen würde, ich sagte: „Vielleicht der dunkelblaue da…“ und er erwiderte, „Soll ich dir den kaufen, oder magst du dir erst einen Überblick über das ganze Angebot verschaffen?“ Ich lachte und stieg drauf ein: „Erst den Überblick, ja.“
Den Witz, dass er mir einen Oldtimer meiner Wahl kaufen würde, machte er alle ein bis zwei Minuten, und am Schluss unserer fast halbstündigen Runde lächelte ich nur noch tapfer und dachte: Nun ja, ansonsten ist er ja ein toller Mann…
Anschließend radelten wir kreuz und quer durch die Straßen, und W. plapperte nicht nur ununterbrochen, sondern er machte mich alle paar Meter auf irgendetwas aufmerksam und verband das mit einem Joke; es waren leider meistens nur Sparwitze: „Schau mal da drüben hat Mustafa seinen Barbiershop… also wenn du mal nen Oberlippenbart bekommst, ist er der Richtige! … Und hier haben wir einen Spätkauf, die Anlaufstelle für Alkoholiker und alle, die´s werden wollen, haha… Gegenüber siehst du unsere lokale Spielothek, ein Ort, wo du dich sicher immer gern aufhältst. … Achtung, Ampel, immer schön auf die Farben achten!“ Und so ging das in einem fort. Wie in der Oldtimer-Halle, fand ich es anfangs noch irgendwo amüsant und gab ein paar Lacher und Kommentare von mir, doch es ermüdete mich immer mehr; ich sagte irgendwann nichts mehr, sondern quälte mir ein schiefes Grinsen ab.
Oh je, dachte ich, wieder so einer, der den Drang hat, witzig zu sein, so ähnlich wie der Aggro-Spinner, den ich kurz zuvor getroffen hatte; zum Glück war der hier, W., wenigstens ein liebenswürdiger Mann.
Fortsetzung im nächsten Blog-Beitrag!
© Beatrice Poschenrieder