Schräge Dates: Der Witzbold

Kennst du diese Leute (überwiegend Männer), die ständig versuchen witzig / lustig zu sein und mit denen man nie ernst reden kann? Grauenvoll.

Manche Männer meinen, es komme total gut an, wenn sie immer den Clown spielen

Heute berichte ich euch von einem Mann, der eigentlich ein sehr liebenswürdiger, nett aussehender, gepflegter, kultivierter und durchaus auch intelligenter Mann ist, aber eine komische (im wahrsten Sinne des Wortes) Eigenschaft hat, die auf mich und sicherlich viele andere Frauen abschreckenden Charakter hat…
Ich lernte W. auf einer Künstler-Kontaktbörse kennen, eine sympatische jungenhafte Erscheinung, zugleich ein Gentleman; für unser erstes Date lud er mich nicht nur auf ein tolles Kunstevent ein, sondern holte mir den ganzen Abend Getränke und sorgte dafür, dass ich mich rundum wohl fühlte. Wir unterhielten uns prächtig, er war charmant, witzig, geistreich, und am Ende des Dates (das von 19 Uhr bis Mitternacht ging) fragte er mich, ob ich Lust auf ein weiteres Treffen hätte, am Samstag in 6 Tagen, dann würde er mir seinen Kiez zeigen, und obwohl ich sicherlich schon einiges davon gesehen hätte, könne er mir garantiert ein paar Sachen zeigen, die ich noch nicht kenne.

Ich war entzückt und angetan und konnte es kaum erwarten. Wie das so ist bei vielen Frauen, malte ich mir in diesen langen 6 Tagen im Geiste aus, wie es wohl wäre, mit ihm zusammen zu sein – endlich ein interessanter Mann, der viel dafür tat, die Dame seines Herzens glücklich zu machen, hach.
Als ich am besagten Samstag – auf seinen Wunsch per Fahrrad – am Treffpunkt in seinem Kiez erschien, stand er schon da mit seinem Rad, und unser privates Sightseeing ging los. Als Erstes führte er mich in eine Halle, in der Luxus-Oldtimer angeboten werden, eigentlich nicht mein Ding, aber wenn man auf jemand steht, macht ja fast alles Spaß… Kaum waren wir drin und bewunderten die vorderen hochglänzenden Karossen, sagte er mit ernstem Gesicht: „Such dir einfach einen aus, ich kauf ihn dir.“
Auf der Fahrt ins Glück Ich brauchte ein paar Sekunden, um zu kapieren, dass er spaßte, und lachte. Wir schlenderten weiter, diskutierten, welcher der Wagen uns am besten gefallen würde, ich sagte: „Vielleicht der dunkelblaue da…“ und er erwiderte, „Soll ich dir den kaufen, oder magst du dir erst einen Überblick über das ganze Angebot verschaffen?“ Ich lachte und stieg drauf ein: „Erst den Überblick, ja.“
Den Witz, dass er mir einen Oldtimer meiner Wahl kaufen würde, machte er alle ein bis zwei Minuten, und am Schluss unserer fast halbstündigen Runde lächelte ich nur noch tapfer und dachte: Nun ja, ansonsten ist er ja ein toller Mann…
Anschließend radelten wir kreuz und quer durch die Straßen, und W. plapperte nicht nur ununterbrochen, sondern er machte mich alle paar Meter auf irgendetwas aufmerksam und verband das mit einem Joke; es waren leider meistens nur Sparwitze: „Schau mal, da drüben hat Mustafa seinen Barbiershop… also wenn du mal nen Oberlippenbart bekommst, ist er der Richtige! … Und hier haben wir einen Spätkauf, die Anlaufstelle für Alkoholiker und alle, die´s werden wollen, haha… Gegenüber siehst du unsere lokale Spielothek, ein Ort, wo du dich sicher immer gern aufhältst. … Achtung, Ampel, immer schön auf die Farben achten!“ Und so ging das in einem fort. Wie in der Oldtimer-Halle, fand ich es anfangs noch irgendwo amüsant und gab ein paar Lacher und Kommentare von mir, doch es ermüdete mich immer mehr; ich sagte irgendwann nichts mehr, sondern quälte mir ein schiefes Grinsen ab.
Oh je, dachte ich, wieder so einer, der den Drang hat, witzig zu sein, so ähnlich wie der Aggro-Spinner, den ich kurz zuvor getroffen hatte; zum Glück war der hier, W., wenigstens ein liebenswürdiger Mann.
Er schien weder mein Schweigen noch das gequälte Lächeln zu registrieren, denn er machte munter weiter. Dennoch, meine romantischen Anwandlungen ihm gegenüber waren noch lange nicht im Keim erstickt; wie ich kürzlich erwähnte, denke ich, dass viele Männer so ganz am Anfang im Innern unsicher sind und das durch alle möglichen Manöver überspielen, sprich, frau muss da einfach Geduld haben, bis der Mann sich sicherer fühlt und dann die Überspielungsmanöver sein lässt. So jedenfalls die Theorie.
Wir kamen in einen ruhigeren Teil seines Stadtteils und er zeigte mir eine idyllische Stelle an einem Kanal, wo wir anhielten, um kurze Rast am Ufer zu machen. Ich dachte: Schöne Gelegenheit, dass er mich in den Arm nehmen oder mich gar küssen könnte… und stellte mich ganz nah zu ihm. Er jedoch wies mit ausladender Geste auf den schicken Neubau am Gegenufer und sagte: „Soll ich dir das Haus da drüben kaufen? Oder wäre dir eine Villa am Wannsee lieber?“
Grinsebacke Ich spielte mit und steigerte den Flirtfaktor: „Och, je nachdem, wo du lieber wohnen würdest… Such du aus, Schatz.“ Er griff es auf und trieb das Spiel so weit, bis es nur noch absurd und somit totgeritten war.

Wir verbrachten den Tag von Mittag bis zum frühen Abend miteinander, und was soll ich euch sagen: Die Witzeleien gingen die ganze Zeit weiter. Ich machte irgendwann eine vorsichtige Anmerkung, nämlich „also mir wär´s lieber, wir könnten uns ganz normal unterhalten, als ständig so im Spaß zu reden“ und schnitt ein normales Thema an, worauf er auch einging, aber leider nur für eine Viertelstunde, und schon huschte die Satire wieder aus seinem Munde.
Am Ende des Dates zeigte er mir noch seine Wohnung, und das war so eine nüchterne Angelegenheit (sowohl die Einrichtung als auch sein Verhalten), dass ich ziemlich ernüchtert nach Hause fuhr, nachdem er mir gesagt hatte, er müsse sich jetzt fertig machen für ein Event. Er hätte mich ohne weiteres auf das Event mitnehmen können, aber er tat es nicht, was ich als Zeichen ansah, dass er bei diesem Date wohl ebenso wie ich festgestellt hatte, dass das mit uns nicht optimal passte.
Da täuschte ich mich; anderntags erhielt ich von ihm eine reizende Dankes-Email für das „super Date“ und die Frage nach einem dritten Treffen. Ich hab ihn auch ein drittes Mal getroffen, in der Hoffnung, dass das zweite ein Ausrutscher war, aber eine halbe Minute nach der Begrüßung ging die Spaßvogel-Nummer wieder los. Ich versuchte immer wieder, gute Gesprächsthemen anzuschneiden, was jeweils nur für ein paar Sätze klappte – dann geriet er wieder ins Witzeln.
Nach einer Stunde war ich so ermüdet, dass ich es ihm auf den Kopf zusagte und diese Bekanntschaft zu einem höflichen Ende brachte.

Man kann das, was er hat, als psychische Störung bezeichnen, nämlich als „Witzelsucht“; Wikipedia definiert das zwar als „expansiv-joviales Verhalten, das mehrheitlich bei einer organischen Schädigung des Gehirns … auftritt“, sprich, es gibt Menschen, die bei bestimmten Formen von Demenz oder anderen Hirnerkrankungen Witzelsucht entwickeln, aber es gibt eben auch Menschen, bei denen das eine Art seelische Störung ist. Ich denke schon, dass man hier von seelischer Störung sprechen kann, weil der Drang (oder genauer gesagt Zwang), witzig zu sein, so stark ist, dass diejenigen es komplett aus der Wahrnehmung verlieren, wenn ihr Witzbold-Ding nichts Gutes mehr bewirkt, sondern nervt. Sprich, wenn der Zwang stärker ist als das Einfühlungsvermögen bzw. der gesunde Menschenverstand. Oft haben die Betroffenen wie W. einen Vater, dessen bevorzugte Kommunikationsform das Witzeln ist, also der versucht, mit anderen darüber in eine Verbindung zu treten, indem er der Lustige ist und sie zum Lachen bringt. Eigentlich kein schlechter Ansatz, aber wenn es komplett überhand nimmt und zum Zwang wird – oh je.
Übrigens verriet mir W. beim dritten Date auch, dass er eigentlich gar keine Lust hätte auf eine richtige Beziehung, das wäre nicht sein Ding und noch nie gewesen. Wie schade um ihn.
Liebe Frauen: Wenn ihr einen Mann mit solchen oder anderen ungünstigen Eigenschaften habt, dann lest bitte diese Beiträge und schaut mein darin genanntes Youtube-Video!

Mich stört einiges an ihm, wie kann ich ihn ändern?

Wie ändere ich meinen Partner bzw kriege ihn dazu, sein Verhalten zu ändern?

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© Beatrice Poschenrieder