Erstkontakt-Mail: So lieber nicht… (Teil 3)

In Teil 1 und Teil 2 dieses Themas habe ich ja schon etliches erwähnt, was du vermeiden solltest, wenn du in einer Singlebörse jemanden anschreibst. Ferner rate ich dir davon ab, als allererste Mail an eine dir völlig fremde Person einen halben Roman zu schicken. Falls sich dieser Roman vornehmlich auf Dinge bezieht, die du in ihrem Profil gefunden hast, ist das zwar immer noch besser, als wenn du nur über dich schwadronierst oder irgendwelche Gedanken/ Erkenntnisse/ Philosophien preisgibst, die dein Hirn kreuzten, als du dir gestern nen Joint reingezogen hast und dich für den scharfsinnigsten Denker seit Nietzsche hieltest… Aber grundsätzlich ist ein Riesen Worterguss als Erstkontakt-Mail immer verkehrt, weil das beim Empfänger sehr leicht den Eindruck erwecken kann, dass du ein Laberkopf bist, der um des Laberns wegen redet und nicht, um mit jemandem in einen echten Austausch zu treten.

Nimm zum Beispiel mal den hier, der mich auf einer „seriösen“ Bezahl-Singlebörse kontaktieren wollte. Ein 59jähriger ohne Foto, Frührentner (bezeichnet sich aber nicht als Frührentner, sondern als „Renegat und Querdenker“), schickte mir seine „3 Fragen“ – eine davon lautet:
«Würden Sie die Liebe Ihres Lebens bis ans Ende der Welt (und darüber hinaus) begleiten?» und dann folgende „persönliche Nachricht“ (wenn die „persönlich“, also individuell verfasst ist, fress ich nen Besen):
«Sehn-Sucht und Sinnsuche oder: „Dum spiro spero. Dum spero amo. Dum amo vivo“ (Cicero). Durch Deine Liebe neu beseelt Fühl ich des eignen Wesens Weiten Durch Deine Liebe neu belebt Werd ich zu unbekannten Ufern schreiten Durch Deine Liebe neu erfüllt mit Hoffnung Welcher Angst bereits die „Psycho“Flügel lähmte Durch Deine Liebe Meiner Seele bleiche Sonne Ihr dürftig Labsal Dennoch einzig ewig Wonne (Pertristis Desiderans) Wunsch Mulier magnae virtutis nobilis ingeniosaque item sensitiva et cara a viro apto et insolente et maritam quaerente adfectatione investigata. Spes adhuc posteaque. Adfectatione plenus Genius unam animam fabram quaerens (Pertristis Desiderans) Geschenk Sich finden Ein Versprechen für immer Glück mit den Schatten des Lebens wachsend blasses Abbild eines Traums und doch ein Geschenk (Felix Proventus) Sozusagen eine programmatische Darstellung. Jedenfalls hic et nunc. Sind Sie berührt? Oder gar in die Seele getroffen? Dann antworten Sie mir. Ansonsten alles Gute. Pertristis Desiderans, sive Felix Proventus seu (vulgo). PS: „Der Duft der Rose nimmt dich in einen süßen Bann rührt Dich liebkosend leise wie eine Liederweise mit Ahnung voller Schönheit an; ist ohne Gleichnis rein und zart: Du kannst es nicht ermessen, fühlst nur ein süß Vergessen und eine süße Gegenwart“ (H. Hesse). Gilt nicht nur für Rosen. Sondern auch für die Liebe.»
Genau so kam die Mail in meinem Postfach an. Ein Text ohne Punkt, Komma und neue Zeilen. Liest sich wie von nem… na, was wohl? Wie von nem Schizophrenen, der sich für ein Genie hält. Und den soll ich bis ans Ende der Welt begleiten?

Ungünstig ist auch der demütige Ansatz: «hallo und guten abend
ich hoffe, ich störe nicht ?? Untertänigste Grüße, T.»
Oder die hier: «ich suche eine feste Partnerschaft, habe Arbeit, Haare auf dem Kopf, kann im Haushalt helfen, kann saugen und mehr. Telefonieren können wir auch gerne. Tel 017……. Würde mich über eine Antwort oder einen Anruf sehr freuen.»
Ich such keine Haushaltshilfe, ich such einen Partner auf Augenhöhe! Das klingt nicht nur devot, sondern sogar wie dieser komische Typ, der mich vor ein paar Jahren mal anonym angerufen hatte, um mir anzubieten, ob er mein persönlicher Haussklave sein dürfe („ich putze und wasche für dich, nackt oder ich zieh an, was du willst, ich leck dir sogar den Boden sauber, wenn du das möchtest“).

Beispiel für eine sehr gute, charmante Kontaktmail:
«Liebe xy!
Ich finde Deine Ansprüche legitim und finde es toll, dass Du genau weißt, was Du willst und nicht willst! Genauso wie du suche ich nicht „irgendjemand“, sondern eine kluge, sportliche Frau, die auch einen eigenen Kopf hat. Besonders gefallen hat mir Deine Antwort auf die Frage ……
Falls Dir mein Profil so sympathisch ist wie mir Deines, dann überleg einfach mal, ob Du nicht Lust hättest mit mir ins Theater zu gehen. Ich würde wahnsinnig gerne in das Stück “……..“ gehen, kommst du mit? Oder vielleicht hast du andere Ideen für nette Veranstaltungen?
Ich würde mich sehr freuen!»

Fazit: Eine gute Erstkontakt-Mail enthält nicht nur oberflächliches Zeug über die Fotos deiner Zielperson, sondern diese kann ersehen, dass du dir Zeit genommen hast, ihr Profil zu studieren, dass dich darin vieles anspricht und dass du dir Gedanken gemacht hast, was sie motivieren könnte, dich treffen zu wollen.
© Beatrice Poschenrieder

2 thoughts on “Erstkontakt-Mail: So lieber nicht… (Teil 3)

  1. Schön und gut, nur in 99% aller Profile steht nichts außer: Name, Alter, ein paar Bilder und eventuell noch das was der-/diejenige sucht.
    Wie soll man da was Persönliches schreiben, wenn da nichts Persönliches drinsteht?

  2. Lieber André,
    wenn in deiner Singlebörse “in 99% aller Profile nichts steht außer: Name, Alter, ein paar Bilder”, dann bist du eventuell in der falschen Börse oder auf jeden Fall in einer sehr oberflächlichen! (Bist du vielleicht bei Tindr?)
    Aber selbst dann kannst du was Persönliches schreiben: Such im Foto nach Aufhängern oder etwas Besonderem, oder vielleicht auch in der Angabe, was der-/diejenige sich für einen Partner wünscht.

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